Flanderns Bildungsminister Ben Weyts: "Die Schulen müssen offen bleiben. Das ist das Sicherste für alle"

Flanderns Landesbildungsminister Ben Weyts (N-VA - Foto) bleibt bei der Ansicht, dass die Schulen offen bleiben sollen, auch wenn die Zahl der täglichen Corona-Infizierungen in Belgien weiter steigen: „Die Zahl der Ansteckungen in den Schulen hält sich in Grenzen.“ Weyts möchte aber einen allgemeinen „Code orange“ für das Bildungswesen vermeiden. Dadurch würde es in den Mittelschulen eine Woche Unterricht vor Ort und eine Woche Heimunterricht geben.   

Landesbildungsminister Weyts hält am derzeitigen „Code gelb“ für das flämische Bildungswesen fest, auch wenn vereinzelt Schulen oder Klassen in Quarantäne gehen müssen, weil sich ein Schulkind oder eine Lehrperson mit Covid-19 angesteckt hat: „Wir haben hart darum gekämpft, dass die Schulen geöffnet werden konnten und ich will sie offen lassen.“

Gegenüber dem VRT-Sender Radio 1 (Foto oben) sagte Weyts am Montag auch, dass nur ein knappes Dutzend von rund 4.000 flämischen Schulen von Quarantäne betroffen sei: „Das ist vor allem ein Zeichen dafür, dass das System funktioniert. Wenn nötig, greifen wir aber hart durch.“

In den meisten Fällen haben sich infizierte Schüler oder Lehrkräfte außerhalb der Schulen, zumeist im privaten Kreis, angesteckt, so der national-demokratische Minister: „Würde sich die gesamte Gesellschaft so gut an die geltenden Regeln halten wie das Unterrichtswesen, dann hätten wir heute eine andere Situation.“

Würde sich die gesamte Gesellschaft so gut an die geltenden Regeln halten wie das Unterrichtswesen, dann hätten wir heute eine andere Situation.“

Landesbildungsminister Ben Weyts (N-VA)

Auch aus diesem Grunde hält Weyts an „Code gelb“ für das Schulwesen in Flandern fest. Nicht zuletzt habe dies aber auch pädagogische Gründe: „Stellen sie sich vor, wir würden zu ‚Code orange‘ übergehen. Für Schüler aus dem zweiten und dritten Mittelschuljahr würde das bedeuten, dass sie eine Woche zur Schule gehen und eine Woche zuhause bleiben müssen. Vor allem im städtischen Kontext ist es eine Illusion, dass die dann zuhause bleiben. Man hält sie besser in einer kontrollierten Umgebung.“

Weyts will die Lage permanent beobachten und sofort individuell reagieren, statt sich mit verschiedenen und sich gegenseitig wiedersprechenden Maßnahmen auf lange Sicht zu verzetteln, doch nicht alle sind mit dessen Vorgehensweise und Aussagen einverstanden. Der flämische Schülerverband z.B. ist richtig sauer. „Das zeugt von wenig Respekt und Vertrauen in die Schüler. Es wird immer einige Jugendliche geben, die sich nicht an die Regeln halten, doch die meisten von uns tun das wohl,“ so Louis Notte, der Vorsitzende des Schülerverbands. 

Das zeugt von wenig Respekt und Vertrauen in die Schüler.“

Louis Notte, Vorsitzender des flämischen Schülerverbandes

Notte hält die Aussage von Bildungsminister Weyts, dass man die Schüler unter Kontrolle halten müsse, für falsch: „Ich denke, dass das nicht Sache der Schulen ist.“ Der Schülerverband ist auch der Ansicht, dass Unterricht zuhause beibehalten werden soll: „Unser Verband hat schon dafür plädiert, den Fernunterricht teilweise beizubehalten. Ich hätte kein Problem damit, würde das wieder angewandt.“

Die Opposition im flämischen Landesparlament ist ebenfalls nicht Weyts‘ Vorgehensweise einverstanden. Das Land sei durch Corona „rot“ gefärbt und die Schulen blieben „gelb“, als ob nichts passiert, heißt es bei den flämischen Grünen (Groen) und bei der sozialistischen SP.A fragt man sich, warum Drehbücher mit Farbkodes aufgestellt würden, wenn sie von einem Minister „eigenhändig in den Mülleimer wirft.“  

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