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Schnelles Internet: Belgische 5G-Anbieter verzichten auf Zusammenarbeit mit Huawei

Die beiden belgischen Telekomanbieter Proximus und Orange verzichten auf eine Zusammenarbeit mit dem umstrittenen chinesischen Konzern Huawei bei der Einrichtung ihrer 5G-Netze für ein schnelleres Internet. Die beiden Unternehmen setzen auf skandinavische Partner.

Die ersten 5G-Einrichtungen von Proximus in Belgien sind noch zusammen mit Huawei entstanden, doch in Zukunft setzt der belgische Anbieter bei 5G auf Kooperationen mit Nokia aus Finnland und Ericsson aus Schweden. Auch der belgische Telekom-Operator Orange verzichtet auf die umstrittenen Chinesen und arbeitet bei 5G mit Nokia zusammen.

Der chinesische Konzern Huawei steht schon seit geraumer Zeit im Verdacht, mithilfe von staatlicher Unterstützung gegen europäische Anbieter am Markt aufzutreten. Zudem verdächtigen die USA Huawei der Spionage und warnt Europa vor diesem Anbieter.

Der Nationale Sicherheitstrat in Belgien hatte bereits Ende Juni beschlossen, die hiesige 5G-Infrastruktur besonders zu schützen, ohne dabei jedoch den Namen Huawei zu nennen. Man wolle den zukünftigen 5G-Netzwerkanbietern „Schutz vor unerwünschter Nutzung“ bieten, hieß es seinerzeit.

Schweden und Finnen bekommen den Zuschlag

Jetzt haben Proximus und Orange beschlossen, mit den skandinavischen Anbietern Nokia und Ericsson zu kooperieren und ihre Zusammenarbeit mit Huawei in dieser Hinsicht aufgekündigt. Die beiden belgischen Telekomanbieter werden ihr 5G-Netz gemeinsam ausbauen und betreiben.

Bis 2023 wird Nokia für Proximus und Orange das gesamte Netzwerk für 2G, 3G und 4G erneuern und die Huawei-Installationen ersetzen. Ericsson liefert die entsprechende 5G-Infrastruktur. Ausschlaggebend für die Wahl von Nokia und Ericsson seien technische, operationelle, finanzielle und umweltfreundliche Kriterien gewesen, so die Anbieter. Huawei Belgien reagierte mit der Feststellung, dass dies „das Resultat des freien Marktes“ sei und akzeptierte die Entscheidung. Der chinesische Anbieter ist in Belgien stark am Markt von Mobiltelefonen aller Art vertreten.

"Erstmal die Grundversorgung  ausbauen"

Der belgische EU-Abgeordnete Benoît Lutgen (Foto unten) von der frankophonen Zentrumspartei CDH hat zwar kein Problem mit dem schnellen aber umstrittenen 5G-Netzwerk, doch seiner Ansicht nach sollten zuerst alle belgischen (und europäischen) Regionen zumindest mit 4G ausgerüstet werden, damit sie ausreichend Empfang haben. „Das ist für das Homeoffice und für das Lernen zuhause prioritär, gerade in diesen Zeiten von Covid-19“, sagte der wallonische Europaabgeordnete in der Sonntagszeitung „7 Dimanche.“, so der EU-Abgeordnete, der bemängelt, dass noch nicht alle Landleute einen verlässlichen und den heutigen Ansprüchen entsprechenden Internet- und Mobiltelefon-Anschluss haben.

Im Zuge dessen sollte aber aus Strahlengründen das Wirrwarr an GSM-Antennen reduziert werden. Dazu will Lutgen sowohl einen Gesetzesentwurf für das belgische Bundesparlament, als auch für die EU ausarbeiten und vorlegen: „Man muss die Anbieter dazu zwingen, ihre Antennen und Netze zu teilen.“ Zur möglichen Strahlenproblematik bei 5G verweist der CDH/EVP-Politiker auf Studien und auf eine technische Rücksichtnahme auf „elektrosensible“ Personen. 

Benoît Lutgen

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