BELGA

"Die Zahl der neuen Ansteckungen und Krankenhausaufnahmen beunruhigen, sind aber kein Grund zur Panik"

Der Virologe und Leiter des staatlichen Gesundheitsamtes Sciensano, Steven Van Gucht, sagte angesichts der steigenden Corona-Entwicklung, dass die Lage ernst sei, doch noch keinen Grund zur Panik darstelle: „Wir wissen, was wir tun müssen.“ Inzwischen ist im Krankenhauswesen Phase 1A des Verteilplans für Intensivbetten für die zweite Welle in Kraft getreten und einige Kliniken stoßen bereits an ihre Grenzen. In der Brüsseler Hauptstadt-Region tritt bereits Phase 1B in Kraft.

Van Gucht sagte am Mittwochvormittag im Rahmen einer Pressekonferenz des Nationalen Krisenzentrums zur jüngsten Entwicklung der Corona-Epidemie in Belgien, dass die Zahl der neuen Infizierungen und der Krankenhausaufhamen von Covid-19-Patienten „beunruhigend schnell steigen“. Seiner Ansicht nach könnten bis Mitte November, „wenn das in dem Tempo weitergeht“, die maximale Zahl der zur Verfügung stehenden 2.000 Betten für Corona-Patienten auf den Intensivstationen belegt sein.

Doch, so der Virologe: „Ich bin mir sicher, dass wir dieses Scenario abwenden können.“ Jetzt müssen alle die Sache sehr ernst nehmen, doch es bestehe noch kein wirklicher Grund zur Panik, „denn wir wissen, was wir tun müssen.“ Die Gesellschaft müsse sich an die geltenden Basisregeln halten, wie Hände waschen, Abstand halten, Masken tragen und die engen Kontakte außerhalb des eigenen Haushaltes auf ein absolutes Minimum beschränken.

"Nicht gleich Opa und Oma im Heim besuchen"

Inzwischen haben die Dachverbände der flämischen Senioren- und Pflegeheime beschlossen, kein Besuchsverbot zu erlassen, doch es gilt hier der Aufruf an alle, wachsam zu bleiben und jedes nur irgendwie mögliche Risiko zu vermeiden. Studierende, die z.B. in einer anderen Stadt in einer Studentenbude wohnen, sollten nicht gleich am Wochenende, wenn sie zu Hause sind, Opa oder Oma im Heim besuchen, so der eindringliche Apell.

Zweite Welle: Phase 1A

Seit diesem Mittwoch gilt in Belgien Phase 1A für die zweite Welle. Das bedeutet, dass alle Krankenhäuser und Kliniken im Land 25 % ihrer Betten für Covid-19-Patienten bereithalten müssen. Konkret sieht das folgendermaßen aus: In dieser ersten Phase ist geplant, Covid-19-Patienten in den Krankenhausnetzen innerhalb der jeweiligen Provinzen zu verteilen. Falls die Situation dort aber an ihre Grenzen stößt, können Patienten auch in Kliniken in weniger belasteten Provinzen verbracht werden, so der Plan.

Der rote Faden, der sich durch diese Planung zieht ist der, dass das „normale“ Gesundheits- und Krankenhauswesen weiter funktionieren muss. Aber, im Notfall muss die reguläre Pflege schrittweise derart heruntergefahren werden, wie sich die Intensivstationen mit Corona-Patienten füllen. Aber, inzwischen können einzelne Kliniken schon keine Patienten mehr von außerhalb aufnehmen und es häufen sich Meldungen, nach denen andere Behandlungen oder Operationen schon verschoben wurden, vor allem dann, wenn eine Operation eine langfristige Intensivbehandlung nach sich zieht. 

Brüssel geht schon zu Phase 1B über

Das Gesundheitswesen in der Region Brüssel-Hauptstadt lässt die dortigen Krankenhäuser sogar schon zu Phase 1B übergehen. Das bedeutet, dass hier die Hälfte aller Krankenhausbetten auf den Intensivstationen für Corona-Patienten freigehalten werden sollen.

Der Phasenplan für das allgemeine Krankenhauswesen in Belgien sieht nach 1B eine weitere Phase vor, die „Extra Phase“ genannt wird. Diese sieht vor, dass 60 % der Intensivbetten einer Klinik oder eines Krankenhauses Covid-Patienten vorbehalten werden sollen - sprich 1.200 der insgesamt 2.000 Intensivbetten. 40 % der Betten müssen für andere Patienten und für Notfälle bereitstehen. 

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