Soziale Dramen im Antwerpener Rotlichtviertel: Kaum noch Kunden für die Prostituierten

Seit dem Ende des Lockdowns in Belgien nach der ersten Coronawelle ist Prostitution in Belgien in den offiziellen Rotlichtvierteln wieder erlaubt. Doch im „Schipperskwartier“ in Antwerpen bleiben die Freier weg und es bahnen sich soziale Dramen bei den Prostituierten an. Viele haben kein Geld mehr und im Rahmen ihres Gewerbes gibt es kein Sozialstatut, das ihnen finanzielle Unterstützung bietet, wie die Sexarbeiter-Organisation Violett in Antwerpen andeutet.

Nach einer Meldung der Regionalzeitung Gazet Van Antwerpen sorgt die Coronakrise auch im ältesten Gewerbe der Welt für soziale Probleme. Den Prostituierten im „Schipperskwartier“ in der Hafenstadt bleiben die Freier weg.

Wendy Gabriëls von der Sexarbeiter-Organisation Violett sagte gegenüber dem VRT-Sender Radio 2/Antwerpen, dass für viele von ihnen die Lage prekär ist: „Unser Sozialteam erhält viele Anfragen von Prostituierten, die Hilfe suchen. Wir versuchen, sie zu begleiten oder umzuschulen, doch eine andere Arbeit zu finden, ist schwer. Für sie liegen keine Jobs auf der Straße.“  

Die allgemeine wirtschaftliche Lage machen eine berufliche Umorientierung für Sexarbeiter derzeit quasi unmöglich, so Gabriëls. Kern des Problems ist die Tatsache, dass es in Belgien kein Sozialstatut für Prostituierte gibt und deshalb haben Prostituierte auch keinen Anspruch auf Unterstützung für Selbständige.

„Beim Ausbruch der Coronakrise haben wir bereits das Schlimmste befürchtet, doch heute stellen wir fest, dass es hier im ‚Schipperskwartier‘ noch schlimmer ist, als im Lockdown im Frühjahr. Kunden bleiben weg und der große Unterschied ist der, dass viele der Frauen keine Reserven mehr haben. Sie verschulden sich, um ihre Basisbedürfnisse zu finanzieren. Wir beobachten hier regelrechte soziale Dramen bei den Prostituierten“, so Wendy Gabriëls von Violett. 

Im Antwerpener "Schipperskwartier"

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