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Brüssels Hausärzte stehen unter Druck: Zu viele Patienten wollen einen Coronatest

Dr. Elisabeth Wallays, die Corona-Koordinatorin des Brüsseler Hausärzteverbandes, schlägt Alarm: „Wir schaffen es nicht mehr! Es müssen drastische Maßnahmen ergriffen werden!“ Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen in der Region Brüssel-Hauptstadt haben dermaßen viel mit Patienten zu tun, die bei ihnen einen Coronatest durchführen wollen, dass ihnen kaum noch die Zeit bleibt, sich um andere Patienten mit anderen gesundheitlichen Problemen zu kümmern.

Dr. Wallays erzählte am Donnerstagmorgen gegenüber VRT NWS, dass das Gesundheitszentrum im Stadtteil Molenbeek, in dem sie arbeitet, vor der Türe ein Partyzelt aufgebaut hat, in dem sich sowohl ein Warteraum, als auch eine Praxis befindet. Hier testen einige Ärzte den ganzen Tag Land die Menschen, die hier um einen Coronatest bitten: „Wir haben das Glück, dass wir ein großes Zentrum sind, doch selbst bei uns ist der Terminkalender schon bis Morgenabend voll. (…) Es muss sich etwas ändern. Aber wir bleiben kämpferisch.“

Die Medizinerin ist der Ansicht, dass es nicht genug Tests geben kann, doch die Kapazität und die personellen Mittel reichen in der Hauptstadt-Region kaum noch aus. Ganz nebenbei rufen auch viele besorgte Patienten bei den Hausärzten an und müssen beraten werden: „Die Leute hatten Kontakt zu jemandem, der positiv getestet wurde und haben Angst. Dann brauchen sie ein Attest für einen Coronatest und ein Quarantäneattest für ihren Arbeitgeber. Das nimmt uns viel Zeit weg.“

Die Corona-Koordinatorin des Brüsseler Hausärzteverbandes glaubt, dass die Region ihre Strategie anpassen muss: „Nicht jeder, der leichte Symptome aufweist, muss auch gleich getestet werden. Für sie ändert sich nicht viel, wenn sie sich 7 Tage lang in Quarantäne begeben müssen.“

Die Hausätzte könnten viel nützlicher eingesetzt werden, z.B. bei der Beratung und der Aufklärung der Menschen und sie könnten bei der Triage helfen, mit der ernste Fälle ausgewählt werden, die in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Und es sollen die Patienten kontaktiert werden, die andere Probleme haben und die aus Angst vor einer Corona-Ansteckung nicht mehr zum Arzt, zum Krankenhaus oder zur Notaufnahme gehen wollen. 

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