Belgien vor neuen strengen Corona-Maßnahmen: Gastronomie muss für 4 Wochen schließen - Nächtliche Sperrstunde

Die Cafés und Restaurants in Belgien müssen ab Montag, den 19. Oktober, für 4 Wochen schließen. Dies haben die belgische Bundesregierung und die Regional- und Landesregierungen am Freitag gemeinsam beschlossen, um die dramatisch steigenden Corona-Ansteckungen in den Griff zu bekommen. Zudem wird es eine landesweite Sperrstunde geben. Premierminister Alexander De Croo (Open VLD - Foto) erklärte die neuen Maßnahmen am Freitagabend im Rahmen einer Pressekonferenz. De Croo sagte: „Diese Maßnahmen sind ungerecht, doch das Virus ist auch ungerecht. Die nächsten Wochen werden für uns alle sehr hart werden.“ 

Erst vor einer Woche hatte der Nationale Sicherheitsrat einige neue Regeln erlassen und andere etwas verschärft, doch jetzt drehen die verschiedenen Regierungsebenen unseres Landes die Schrauben an, um die sich wieder rasch ausbreitende Covid-19-Epidemie in Belgien in den Griff zu bekommen. Seit Tagen warnen Mediziner und Politiker schon vor weiteren drastischen Schritten, um gegen das Virus vorzugehen.

Gastronomie muss schließen

Einmal mehr ist die ohnehin bereits arg gebeutelte Gastronomie das Opfer von harten Maßnahmen. Ab dem kommenden Montag müssen alle Cafés und Restaurants im Land für 4 Wochen schließen. Restaurants dürfen aber Speisen zum Mitnehmen anbieten und dies bis 22 Uhr abends.

Allerdings soll nach 2 Wochen eine Bewertung dieser Maßnahme erfolgen. Die Gastronomie-Verbände halten dies für „disproportional“ und gehen von drohenden Konkursen aus, doch die Regierungen werden die Betroffenen finanziell unterstützen. Über die Frage der Schließung der Gastronomie ist im Konzertierungsausschuss lange diskutiert worden. Vor allem Flandern versuchte dies zu verhindern.

Die von Schließung betroffenen Unternehmer werden unterstützt: Verdoppelung der Überbrückungsgelder für Selbständige, Zahlungsaufschub für bestimmte Beiträge, Sozialbeiträge werden ausgesetzt und für die Dauer der Schließungen gestrichen. „Wir lassen niemanden fallen!“, so Premier De Croo eindringlich.

Sperrstunde

Zu den neuen Maßnahmen gehört auch die Einführung einer allgemeinen nächtlichen Sperrstunde. Das bedeutet, dass sich ab Montag niemand mehr ohne triftigen Grund zwischen Mitternacht und 5 Uhr in der Frühe draußen auf der Straße aufhalten darf. Es gilt auch ein Verkaufsverbot von Alkohol ab 20 Uhr und damit einhergehend ein Verbot, um nach 20 Uhr in der Öffentlichkeit Alkohol zu konsumieren.

Sport und Kultur

In der kommenden Woche werden die zu treffenden Maßnahmen für Sport und Kultur mit den jeweiligen Sektoren noch besprochen. Vorerst - zumindest bis zum kommenden Freitag - kann alles so weiterlaufen, wie bisher.

Homeoffice und Schule

Homeoffice wird quasi für die Dauer von 4 Wochen ab Montag verpflichtet. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer, dort wo es möglich ist, von zu Hause aus arbeiten sollen. Dort wo das nicht möglich ist, müssen die Arbeitgeber dafür sorgen, dass ihre Beschäftigten allen Abstands- und Hygieneregeln entsprechend ihrer Tätigkeit nachgehen können. Damit werden Menschenansammlungen am Arbeitsplatz oder auch im öffentlichen Nahverkehr vermieden.

In der Frage des Schulwesens können die zuständigen Minister in Ländern und Regionen selbst entscheiden, wie sie vorgehen. Flanderns Landesbildungsminister Ben Weyts hatte diese Woche noch dafür gesorgt, dass hier alle Schulen offen bleiben werden. Gerade dies kann die familiäre Lage entspannen, denn wenn die Eltern zu Hause arbeiten und die Kinder sind in der Schule, müsste das besser funktionieren, als beim Lockdown im Frühjahr.

Kontakte vermeiden

Die zugelassenen engen Kontakte mit Personen außerhalb des eigenen Haushaltes lagen seit den neuen Regelungen in der vergangenen Woche bei 3 Personen. In den kommenden 4 Wochen darf dies nur noch eine Person sein. Abstandhalten bleibt die Devise und wo 1,5 m Abstand nicht möglich sind, gilt eine Mund- und Nasenschutzmaskenpflicht. Doch es soll niemand in der Isolation landen. 4 Personen dürfen als Besucher eingeladen werden. Diese Personen sollen 2 Wochen lang die gleichen bleiben und danach können dies auch andere 4 Personen sein, so Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A).

Märkte

Wochen- und andere Märkte, bei denen Lebensmittel angeboten werden, bleiben offen. Doch Weihnachtsmärkte und andere Events zum Jahreswechsel wird es dieses Jahr nicht geben. Auch Flohmärkte sind bis auf weiteres nicht zugelassen. 

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