Was sagt die Presse zum historischen Treffen von König Philippe mit seiner Halbschwester Delphine?

„Das Wunder von Laken“, „Er kann es dann doch“, „Königlich empfangen, und dass verdient sie auch“, „Sensation“ sind nur einige der Schlagzeilen in den belgischen und auch in ausländischen Tageszeitungen und Magazinen zum ersten Gespräch zwischen König Philippe und seiner Halbschwester Prinzessin Delphine. Die belgischen Royals beherrschen an diesem Freitag die Titelseiten der Gazetten.

„Er kann es dann doch“, titelt die flämische Tageszeitung De Morgen zum Treffen zwischen Philippe und Delphine. Dabei macht das Blatt eine Anspielung auf den ehemaligen Hofmarschall Herman Libaers, der 1991 gegenüber dieser Zeitung noch gesagt hatte: „Er kann es nicht.“ Weiter heißt es in De Morgen: „König Philippe tut das, was sein Vater in den vergangenen 20 Jahren rigoros abgelehnt hat: Delphine in die Arme zu schließen. Hiermit zeigt er sich als ein Familienmann aus dem 21. Jahrhundert.“ Im Kommentar von De Morgen wird noch einmal darauf eingegangen: „König Philippe tut hier, was ein großer Mann tun muss. Ob man königsgesinnt ist oder nicht, die Gebärde, die Philippe hier zeigt, ist nicht nur historisch, sondern auch rundweg herzerwärmend.“

Im flämischen Wirtschaftsblatt De Tijd wird König Philippe „Kaiser einer guten PR“ genannt: „Ein Foto einer informellen Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich bei näherem Hinsehen gut gleichen. Mehr hat der Königliche Palast nicht nötig, um eine Geschichte von 20 Jahren Skandal, Tristesse und national geteiltes Ärgernis sauber abzuschließen.“ Und weiter schreibt De Tijd: „Die ausgestreckte Hand zu seiner Halbschwester Delphine zeigt eine menschliche Seite, die sein Vater in dieser schmerzlichen Frage niemals sehen ließe. Das ist doch schon was.“

In De Standaard sieht man einen krassen Kontrast zwischen dem eiskalten Kommuniqué, dass Ex-König Albert im Januar verbreitete, in dem er ankündigte, dass er den juristischen Streit mit Delphine mit den Worten „Eine gesetzliche Vaterschaft ist nicht notwendiger Weise auch die Wiedergabe einer biologischen Vaterschaft“ für beendet erklärte und dem kurzen Text auf Facebook von Philippe. Die Zeitung spricht denn auch von einer „(echten) Familie“ zwischen Bruder und Halbschwester und stellt fest, dass Ex-König Albert, der einst als moderner und lachender König beliebt war, jetzt auch der letzte Kredit abhandengekommen sei.

Die flämischen Regionalzeitungen Gazet Van Antwerpen und Het Belang van Limburg nennen den gemeinsamen Facebook-Post von Philippe und Delphine „ein Foto für die königlichen Geschichtsbücher“ und schreiben: „Jetzt gehört sie wirklich zur Familie. (…) Der König handelt symbolisch, in dem er Delphine in der königlichen Familie willkommen heißt, nach dem sie jahrelang durch ihren Vater abgewiesen wurde.“ Und, im gemeinsamen Kommentar der beiden Blätter wird daran erinnert, dass König Philippe nach seiner Erklärung des Bedauerns für die belgischen Schandtaten während der Kolonialzeit im Kongo vor weniger als vier Monaten jetzt „eine weitere eiternde Wunde aus der königlichen Vergangenheit geheilt hat."

Het Laatste Nieuws titelt ganz einfach: „Königlich empfangen, und dass verdient sie auch“. Auch hier wird auf den schrillen Kontrast zwischen König Philippe und seinem Vater, Ex-König Albert II. hingewiesen und damit auch auf eine ähnliche elterliche Geschichte: „Ihnen fehlte beide die Liebe ihres Vaters. Das schmiedet ein Band. Mit diesem Treffen nimmt Philippe also resolut einen Standpunkt ein - gegen seinen Vater, der stets jeden Kontakt vermieden hat.“

In der frankophonen Brüsseler Zeitung La Capitale wird dieses Treffen „Miracle de Laeken“ („Das Wunder von Laken“) genannt: „Wer hätte jemals gedacht, dass es jemals zu einem solchen Treffen kommen würde? Niemand!“ Hier ist aufgefallen, dass König Philippe bei dieser Gelegenheit keine Krawatte trug: „Er trägt eine bei allen offiziellen Aktivitäten. Hier ist die königliche Botschaft deutlich: Delphine ist nun Teil der Familie. Von seiner Familie.“ Im Kommentar von Le Soir heißt es dazu: „Philippe, König, Bruder und Familienvater“ und dass der belgische König „die Gesellschaft, in der er lebt, ehrt.“

Auch die internationale Presse beschäftigt sich mit diesem historischen Vorgang bei den belgischen Royals: „Welcome to the family“ (Daily Mail), „Sensation - Hier trifft er seine Halbschwester Delphine“ (Gala - unten), „Belgique : le roi a rencontré pour la première fois la fille naturelle de son père“ (Le Figaro) oder „Half century later, king Philippe meets half sister“ (VancouverCourrier) titeln die Gazetten, Webseiten und Magazine. 

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