Pechschwarzer Freitag für Gaststättengewerbe: Behörden versprechen Hilfe, Verband will klagen

Erneut müssen Kneipen, Cafés und Restaurants in Flandern, wie auch in den anderen Landesteilen, schließen. Diesmal gilt das Verbot für vier Wochen. Der flämische Gaststättenverband spricht von einem pechschwarzen Freitag für seine Mitglieder und will gegen die Maßnahme der Regierung klagen. Auch die Mittelstandsvereinigung SNI befürchtet, dass die neue Schließungszeit der Gnadenschuss für viele Betriebe sei.

Rund 30.000 Arbeitgeber im Restaurant- und Gaststättengewerbe sind allein in Flandern direkt von den Maßnahmen betroffen. Der Sektor befürchtet, dass viele Betriebe diesen erneuten Schlag nicht verkraften werden. Viele hatten bereits vor der ersten verordneten Schließung im März und April keine finanziellen Reserven. „Der Umsatz nach der Wiedereröffnung im Mai ist um 40 % zurückgegangen“, weiß die Vertreterin der Mittelstandsvereinigung, Christine Mattheeuws. Im vergangenen Jahr hatten 2.000 Restaurants und Cafés Konkurs anmelden müssen. 2020 erwartet die Vereinigung eine Zunahme der Konkurse um 40 %.

Die Verbände werfen den Behörden auch vor, dass es keine harten Beweise dafür gäbe, dass die Zunahme der Infektionen auf den Betrieb in den Restaurants und Cafés zurückzuführen sei. Völlig zu Unrecht bekämen ihre Mitglieder aber jetzt die Rechnung präsentiert.

Sowohl die belgischen als auch die flämischen Behörden versprechen den betroffenen Unternehmen großzügige Hilfe. Die Föderalregierung will den Sektor mit Maßnahmen in Höhe von 500 Millionen Euro unterstützen und u. a. die Überbrückungsgelder für Selbständige verdoppeln und Zahlungsaufschub bei den Sozialbeiträgen gewähren.

„Wir müssen dem Gaststätten- und Restaurantgewerbe helfen, zu überleben“, sagt auch die flämische Wirtschaftsministerin Hilde Crevits (CD&V).

James Arthur Photography

Unterstützung bekommen alle, die zwischen dem 1. Oktober und dem 15. November 2020 einen Umsatzverlust von mindestens 60 % erleiden. Diese Beihilfe beläuft sich auf 10 Prozent des Umsatzes im gleichen Zeitraum im Jahr 2019 oder einem anderen vergleichbaren Zeitraum. 10 % stellen durchschnittlich die Hälfte der Fixkosten für Unternehmen dar.

Überprüfung nach zwei Wochen

Ende Oktober werden die Maßnahmen überprüft. Aber die Chancen sind äußerst gering, dass die Kurve der Neuinfektionen so stark sinken würde und die Restaurants und Gaststätten erneut öffnen dürften, glaubt Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon (N-VA), der keine falschen Hoffnungen schüren will.

Gaststättenverband will klagen

“Wir haben einen Anwalt beauftragt, die Rechtmäßigkeit der Maßnahme zu überprüfen”, teilte Matthias De Caluwe über die Presseagentur Belga mit: “Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig.”

Die Schließung der Cafés und Restaurants wird als ungerecht empfunden, u. a. weil es keine Zahlen gibt, die beweisen, dass der Besuch von Cafés und Restaurants den Anstieg der Corona-Infektionen auslöst. Darüber hinaus haben sich die Gaststättenbetriebe an die Abstands- und Registrierungsregeln gehalten.

“Wir können nicht überprüfen, ob jeder die Kontakteinschränkungen respektiert und nur mit den Leuten eine Kneipe oder Restaurant besucht, die zu seiner Kontaktblase gehören”, bemerkt De Caluwe. “Jeder der sich nicht an die Kontaktregeln hält, ist also für die heutige Situation mitverantwortlich.”

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