Ermittlung wegen Todschlags gegen Autofahrer, der in Demo raste - Sonntag erneut Proteste trotz Verbots

Am Freitagabend war ein Autofahrer in der Gemeinde Puurs (Provinz Antwerpen) in eine Gruppe von Demonstranten gerast. Bei dem Vorfall wurde niemand verletzt. Der Untersuchungsrichter ermittelt jetzt wegen versuchten Todschlags gegen den 19-jährigen Fahrer. Dieser sagte aus, er sei von den Demonstranten bedroht worden. In Puurs hatten rund 300 Personen gegen einen Mobbing-Fall protestiert, bei dem ein Jugendlicher von sechs Jugendlichen mit Migrationshintergrund beschimpft, geschlagen und gefilmt worden war.

Zwischen 250 und 300 Demonstranten, mehrheitlich aus der nationalistischen und rechtsextremen Szene, hatten sich am Freitagabend im Zentrum von Puurs versammelt. Sie wollten gegen einen gewalttätigen Vorfall protestieren, der sich vor der Stadtbibliothek ereignet hatte. Ein 15-jähriger Junge war von sechs Jugendlichen angegriffen, geschlagen und gedemütigt und bestohlen worden. Die Angreifer hatten ihre Tat gefilmt und ins Internet gestellt, wo das Video weit verbreitet wurde.

Die Mutter des Jungen reichte Beschwerde ein. Die sechs belgischen und niederländischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund stellten sich der Polizei und wurden dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Während der Demonstration am Freitagabend war ein Fahrzeug aus einer Seitenstraße gekommen und mit hoher Geschwindigkeit auf die Demonstranten losgefahren“, sagte der Polizeichef Jan Van de Vreken. Dabei wurde niemand verletzt. Der Wagen und die drei Insassen konnten später ausfindig gemacht werden. Sie wurden auf dem Polizeirevier verhört.

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Polizei ermittelt

Die Polizei untersucht, ob die drei vorsätzlich auf die Demonstranten losgefahren sind und analysiert Videoaufnahmen. Einer der Insassen filmte die Konfrontation und stellte das Video ins Netz.

Nach Angaben von Rechtsanwalt Ergun Töp, der einen der Insassen vertritt, fuhren die Jugendlichen zufällig vorbei und wurden von Demonstranten angegriffen. „Als die Demonstranten die Jugendlichen bemerkten, schlugen sie mit Flaschen auf das Auto und versuchten die Wagentür zu öffnen. Dabei zerbrach die Windschutzscheibe. In diesem Augenblick gerieten sie in Panik und wollten fliehen. Sie hatten wirklich Angst um ihr Leben". 

Inzwischen sind zwei der drei Jugendlichen wieder auf freiem Fuß. Am Sonntag wird der Fahrer dem Untersuchungsrichter wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag vorgeführt. Ob er in Untersuchungshaft kommt, wird erst später entschieden. Alle drei Insassen sind 19 Jahre alt und haben einen Migrationshintergrund.

Demo in Puurs war nicht zugelassen

Der Bürgermeister von Puurs, Koen Van den Heuvel (CD&V), hat den Vorfall scharf verurteilt: „Glücklicherweise wurden die Insassen schnell von der Polizei gefasst und wurde niemand verletzt“.

Van Heuvel (Foto unten) fand aber auch die Demonstration vollkommen inakzeptabel. „Der Mobbing-Vorfall hat viele Emotionen ausgelöst. Die Täter konnten aber identifiziert und sanktioniert werden. Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgericht haben ihre Arbeit getan“.

Dieser Vorfall war für 300 Demonstranten bloß ein Vorwand, um in Puurs Krawall zu veranstalten. „Das ist absolut inakzeptabel, noch dazu mitten in einer Gesundheitskrise. Diese Demonstration fand ohne vorherige Genehmigung statt". Koen Van den Heuvel sagte, er verurteile „alle Formen von Gewalt“ und weigere sich, seine „schöne Gemeinde von Extremisten jeglicher Art als Geisel nehmen zu lassen“.

Eine Demonstration, die für diesen Sonntag angekündigt war, wurde von der Stadtverwaltung von Puurs verboten.

Obwohl Bürgermeister Vanheuvel jegliche Protestkundgebung verboten hat, versammelten sich am Sonntag rund 200 Personen im Zentrum von Puurs. Viele gehörten der rechtsextremen Szene, u. a. dem rechtsradikalen Verein Voorpost an. Auch der 15-jährige Junge, der Opfer des Mobbings wurde, war anwesend.

Die Kundgebung ist ohne weitere Zwischenfälle zu Ende gegangen.

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