Patrick Peeters

Europäisches Forschungsprojekt: Wie lange halten die Deiche einem "Supersturm" stand?

In Doel in der Provinz Ostflandern wird ein etwa 3 km langes Stück Deich an der Schelde sowie am Prosper- und am Hedwige-Polder im wahrsten Sinne des Wortes unter Druck gesetzt. Dabei handelt es sich um ein europäisches Forschungsprojekt, bei dem untersucht wird, wie lange die klassischen Deiche in unseren Breitegraden schweren Stürmen standhalten. 

Das Gebiet, in dem diese Untersuchungen stattfinden, ist etwa 600 Hektar groß und wird in einigen Jahren geflutet. Rund um dieses Gebiet liegt eine Art fast vollständig geschlossener Ringdeich, der im Zuge der Flutung der Polder seine Funktion verlieren wird. Hier können die Forscher also alle möglichen Experimente durchführen.

Permanent fließendem Wasser ausgesetzt

Auf dem Deich steht ein Container, in den permanent Wasser gepumpt wird. Er läuft also über und das Wasser fließt auf den Deich und kann auf einem 2 Meter langen Teststreifen einsickern. Langfristiges Ziel ist, einen „Supersturm“ nachzustellen, bei dem die Deiche bis zu 30 cm überflutet werden.

Ein solcher Fall ist derzeit eher unwahrscheinlich, doch Petrik Peeters von Wasserbaukunde-Laboratorium Borgerhout in Antwerpen denkt sehr weit im Voraus: „In Wirklichkeit bleibt das Wasser bei einem solchen Sturm immer einige Meter unter der Deichkante, doch im Hinblick auf die Klimaerwärmung ist es nicht falsch, die Deiche auf ihre Stärke hin zu prüfen.“

Der Deich trägt eine Jacke, doch wie dicht ist die?

Ein Deich besteht aus einem Kern aus Sand und darüber befindet sich eine Art Jacke aus Klei, Vegetation, Gras, Gestrüpp und andere Pflanzen und Kräuter. Diese Jacke, so Peeters, sorgt dafür, dass der Deich wasserdicht ist: „Und wenn Wasser darüber hinwegströmt, sorgt das auch dafür, dass der Deich nicht wegspült. Wir testen jetzt, wie lange dieses Gras großen Wassermassen standhalten kann.“

Das Deichgebiet, um das es hier geht, liegt teilweise in den Niederlanden. Belgien und sein Nachbarland bearbeiten diese Polderlandschaften und die Deiche darum auf unterschiedliche Art und Weise. Hier wird zweimal im Jahr gemäht und in den Niederlanden dreimal. Die Niederländer düngen und die Belgier nicht.

Vielfältig nutzbar für die Forschung

An einigen Stellen stehen Bäume, andernorts sind Fuchsbauten zu finden und manchmal weiden Schafe auf den Wiesen. Diese Vielfalt ist für die Forschung sehr interessant, wie Petrik Peeters andeutet: „Das sind alles unterschiedliche Situationen, die wir in den kommenden Wochen testen werden. Geht ein Deich schneller kaputt, wenn sich darin Fuchsbauten befinden oder ist das eher kein Problem?“  

Diese Untersuchungen sollen zeigen, wie man am besten auf die Klimaerwärmung und auf steigende Meeresspiegel reagieren muss. Müssen die Deiche doch erhöht werden? Halten die Deiche auch schwersten Stürmen aus? Wie kann über den Deich gelaufenes Wasser wieder in die See zurückfließen? An dem Projekt nehmen Wissenschaftler und Institute aus Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien teil. 

Patrick Peeters

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