Belgiens Verteidigungsministerin will die Gehälter der Soldaten anheben

Belgiens neue Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder (PS - Foto) will die Löhne und Gehälter der Militärs erhöhen. Die frankophone Sozialistin will zudem Soldaten ermöglichen, von zu Hause aus zu arbeiten und es sollen neue Kasernen gebaut werden. Die belgische Armee steht vor großen Herausforderungen, denn die Zahl der Soldaten geht vor allem durch Pensionierungen rasch nach unten. In den kommenden vier Jahren sollen bis zu 10.000 neue Militärs und Zivilisten angeworben werden.

Mit der Ankündigung, die Einkommen der Militärs anheben zu wollen, geht Verteidigungsministerin Dedonder auf eine Forderung der Soldaten- und Armeegewerkschaften in Belgien ein. Hier wird bereits seit langem auf die niedrigen Gehälter hingewiesen, die einen Job bei der Armee unattraktiv machen.

Das betrifft z.B. die technischen Berufe bei der Truppe, denn hier steigen die technologischen Anforderungen, doch die entsprechenden Einkommen können mit dem Wettbewerb am Arbeitsmarkt nicht mithalten. Ein junger Techniker oder Elektroniker verdient in einer Autowerkstatt mehr, als sein Kollege bei der Luftwaffe. Mit höheren Gehältern will Dedonder die Armee auch für Zivilisten attraktiver gestalten, denn in den technischen Bereichen sind auch Bewerber gesucht, die nicht unbedingt zum uniformierten Personal gehören müssen. 

Die Folgen der Einsparungen

Inzwischen sinkt der Personalbestand bei der belgischen Armee sehenden Auges. Viele Soldaten aus allen Waffengattungen und allen Rängen gehen in Rente und so mancher freigewordene Posten ist nicht besetzt. Und der Nachwuchs fehlt auch beim nichtmilitärischen Personal der Armee.

Verantwortlich dafür sind die letzten belgischen Bundesregierungen, die nacheinander massiv bei der Armee gespart haben, so die Soldatengewerkschaften. Jetzt muss massiv rekrutiert werden, heißt es dort. „Überdies kann man nicht einfach jeden rekrutieren, sonst sinkt die Latte zu stark nach unten“, verlautet dazu aus Kreisen im Verteidigungsministerium.

Wer soll das bezahlen?

Aber woher soll das erforderliche Geld kommen? Die Verteidigungsministerin empfiehlt der Armee, in allen Bereichen Praktika für junge Leute zu organisieren. Doch schon jetzt fehlt es an Soldaten, um die derzeit erforderlichen Kernaufgaben der Armee auszuführen.

Der ehemalige Stabschef Mark Compernol forderte zu seiner Amtszeit 1 Mia. € zusätzlich zum normalen Verteidigungshaushalt, doch in der Praxis muss die Truppe wohl mit weitaus weniger Mitteln auskommen. Und Verteidigungsministerin Dedonder sagt auch nichts dazu, wo das Geld für ihre Empfehlungen und Ankündigungen herkommen soll.

Folgekosten

Tatsache ist, dass im neuen Koalitionsvertrag der sogenannten „Vivaldi“-Regierung um Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) gerade im Verteidigungsministerium weniger eingespart werden muss, als in anderen Bereichen.

Hier wurde Kenntnis davon genommen, dass in baldiger Zukunft auch die ersten (Folge)Kosten für neue Anschaffungen beglichen werden müssen. Es wurden in den letzten Monaten und Jahren neue Drohnen angeschafft, neue Transportflugzeuge, sowie neue Panzerfahrzeuge und auch Schiffe für die Marine. Die Rechnung für die neuen Kampfbomber wird wohl ein Fall für die nächste Regierung sein, denn die Maschinen müssen erst noch gebaut und ausgeliefert werden. 

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