ALEGrO: Erste unterirdische Hochspannungsleitung zwischen Deutschland und Belgien

Am Montag ist die neue unterirdische Hochspannungsleitung zwischen Deutschland und Belgien, genauer zwischen Aachen und Lüttich in Betrieb genommen worden. Diese ALEGrO (Aachen Liège Electric Grid Overlay) genannte Hochspannungsleitung soll dabei helfen, Belgien unabhängiger von Atomstrom zu machen, was angesichts der pannengeplagten Reaktoren in Tihange und Doel und stets drohenden Energiekrisen in Zukunft hilfreich werden kann. Die Stromverbindung läuft in Belgien vom bestehenden Umspannwerk in Lixhe bei Lüttich (Foto) bis zur Autobahnraststätte an der E40 in Eynatten (Raeren) an der deutschen Grenze.

Das Gemeinschaftsprojekt des belgischen Netzbetreibers Elia und des deutschen Unternehmens Amprion kostete rund 450 bis 500 Mio. €. Die Stromleitung ist rund 90 km lang und führt von Lixhe bei Visé in der Provinz Lüttich nach Oberzier im Kreis Düren in Nordrhein-Westfahlen (Illustration unten). In Belgien verläuft die hier rund 49 km lange Leitung vorwiegend entlang von bestehenden Infrastrukturen wie Treidelpfaden, der Autobahn E40 oder auf Infrabel- sprich auf Bahngelände.

Sowohl in Lüttich, als auch bei Aachen gehören Konverter-Stationen zu dem Projekt, in der der hier zu transportierende bzw. fließende Strom von Wechselstrom (AC) auf Gleichstrom (CD) umgeschaltet wird. Die Kapazität von ALEGrO beträgt 1.000 Megawatt (MW) und entspricht damit in etwa der Produktion eines der belgischen Kernreaktoren Doel 3 oder Doel 4. Damit kann eine Millionenstadt mit Elektrizität versorgt werden, bzw. 10 % des belgischen Verbrauchs.

Belgien ist direkt mit mehreren Ländern verbunden

Damit beträgt die Kapazität des internationalen Netzes, von dem Belgien profitieren kann, 7.500 MW. Bisher ist Belgien direkt mit den Netzen in den Niederlanden, in Frankreich, in Luxemburg und über ein Kabel durch die Nordsee auch mit Großbritannien verbunden (Illustration ganz unten). Da kommt jetzt die erste Verbindung mit Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg hinzu.

Die Leitung verläuft in Belgien auch durch die deutschsprachigen Gemeinden Raeren, Lontzen und Eupen, sowie durch die wallonischen Kommunen Visé, Oupeye, Herstal, Lüttich, Blegny, Soumangne, Herve, Thimister-Clermont, Welkenraedt, Limbourg und Baelen.

Modernste Technik

Bei dieser Erdkabelverbindung kommt die derzeit modernste Technologie zum Einsatz, die in Europa gegenwärtig für den Transport großer Energiemengen über große Entfernungen zur Verfügung steht: Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Die unterirdische Stromverbindung zwischen den beiden Konverter-Stationen besteht aus zwei Kabeln, die jeweils einen Durchmesser von 12 cm haben und die auf der gesamten Länge erdverlegt werden, sodass es, so Betreiber Elia, zu keinerlei Auswirkungen auf Landschaft und Wohnraum kommt.

Bisher musste Strom, der aus Richtung Deutschland nach Belgien eingeführt wird, einen Umweg über die Niederlande oder Frankreich nehmen, was zeitraubend ist und Zusatzkosten verursacht. Durch die zeitweise Abschaltung von sechs der insgesamt sieben belgischen Atommeiler durch Unterhalts- und Reparaturarbeiten im vergangenen Jahr wurde einem Stromengpass in Belgien auch durch Lieferungen aus Deutschland vorgebeugt.

„Heute ist ein guter Tag für den internen Energiemarkt“

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sendete eine Videobotschaft zur Einweihungsfeier, an der auch Belgiens neue Energieministerin Tine Van der Straeten (Groen) teilnahm: „Die neue Stromverbindung zwischen Belgien und Deutschland ist nicht nur für unsere beiden Länder wichtig, sondern auch für den Stromhandel und die Systemsicherheit in ganz Europa. In diesem Hinblick ist heute ein guter Tag für den internen Energiemarkt.“

Belgien bekommt mit ALEGrO auch einen Zugang zum deutschen Markt für Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen und darüber freut sich die grüne belgische Energieministerin: „Erneuerbare Energie bricht fast täglich neue Rekorde und durch ALEGrO werden belgische Haushalte und Unternehmen jetzt auch Zugang zu diesem Markt bekommen und davon profitieren.“ Doch auch Deutschland produziert noch große Mengen an Strom mit fossilen Energiequellen, wie Braunkohle. Also kann es auch immer wieder sein, dass deutscher Exportstrom, den Belgien erwirbt und der über ALEGrO läuft, aus umweltschädlichen Quellen kommt… 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten