Belgiens Gesundheitsminister bleibt angesichts eines baldigen Corona-Impfstoffs vorsichtig

Trotz aller internationaler Euphorie über die Ankündigung des US-Pharmakonzerns und seines deutschen Partners BioNTech, man stehe vor dem Abschluss der Entwicklung eines Corona-Impfstoffes, der zu 90 % wirksam sei, bleibt Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A - Foto) vorsichtig und zurückhaltend. Die Meldung sei durchaus positiv, doch sie wecke vielleicht auch falsche Hoffnungen. Inzwischen setzen sich Experten mit dem Impfstoff auseinander und beschäftigen sich auch mit dem Problem der Lagerung und des Transports dieses Impfstoffs, der bei -70°C behandelt werden muss. 

Bei Pfizer und BioNTech heißt es, dass der Impfstoff bei 9 von 10 Probanden wirke und dies seien bessere Resultate, als man erwartet habe. Aus dem belgischen Pfizer-Werk in Puurs in der Provinz Antwerpen verlautete bereits, dass man die Produktion dieses Impfstoffs bereits vorbereite.

Doch Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke zeigte sich am Montagabend in der VRT-Sendung „De afsprak“ („Die Verabredung“) eher bedächtig: „Das ist eine positive Nachricht, doch wir müssen realistisch sein. Das ist eine Pressemitteilung eines Unternehmens. Das ist nicht das gleiche, wie eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung.“

Selbst wenn die Forschung bestätigt wird, müsse man sich die Fakten anschauen, so Vandenbroucke: „Es dauert Monate, bis solch ein Impfstoff auf den Markt kommt. Das ist ein besonders komplizierter Prozess. Das ist nicht einfach nur ein Pillchen, das man beim Apotheker abholen kann. So etwas erfordert besondere Aufbewahrungs- und Transportmethoden und die Produktion muss in Gang kommen.“

Einige Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass ein Impfstoff gegen das Coronavirus Covid-19 im Frühjahr 2021 vorliegen wird, doch auch hier bleibt der flämische Sozialist Vandenbroucke vorsichtig: „Das kann sein, doch von mit hört man das nicht. Wir müssen uns noch einiges abverlangen, um ohne das Virus durch den Winter zu kommen. Wir werden so oder so durch einen schwierigen Winter gehen müssen.“

Inzwischen zeigen die neuen Corona-Maßnahmen der Regierung in Belgien erste Effekte: „Dies dürfen wir nicht wieder vermurksen. Das darf uns nicht wieder aus der Hand gleiten. Wir müssen das noch lange durchhalten, aber wir dürfen allen gratulieren. Das ist eine bittere Pille, vor allem für die Gastronomie. Vielen Dank ihnen und mein Respekt.“ 

Inzwischen setzen sich Experten mit dem Impfstoff auseinander

Gesundheitsminister Vandenbroucke erwähnte bereits den komplizierten Umgang mit dem Impfstoff. Dieser muss offenbar bei Minus 70°C aufbewahrt und transportiert werden. Roel Gevaerts, Transport-Volkswirt an der Universität von Antwerpen (UA), rät dabei zur bewährten Technik des Kühlens mit Trockeneis und schickt eine Warnung an Politik und Medizin gleich hinterher, indem er empfiehlt, auch dieses Kühlmittel rechtzeitig zu bestellen: „Innerhalb der nächsten Monate gehe ich davon aus, dass ein großer Mangel an Trockeneis herrschen wird!“

Der Impfspezialist Pierre Van Damme, ebenfalls UA, ist begeistert von der Aussicht auf einen Impfstoff von Pfizer und BioNTech im Laufe des kommenden Frühjahrs, doch vorher sei in Belgien noch einiges zu regeln: „Das sind vielversprechende Resultate, doch in Sachen Regelungen müssen noch einige Riesenschritte gesetzt werden.“

Man wisse nicht, bevor man einen Impfstoff auf den Markt bringt, wie lange dessen Antistoffe und die Immunität der Zellen aktiv bleiben: „Die entsprechenden Testresultate erfolgen erst in den kommenden Monaten. Was wir auch nicht wissen ist, in welchem Maße Impfstoffe verhindern, dass man das Virus weitergibt, wenn man infiziert ist. Weitere Forschungen müssen ihren Fokus also auf die Ansteckungsmöglichkeit legen.“

Prof. Van Damme ruft Politik und Behörden dazu auf, ein Drehbuch auszuarbeiten, das vorgibt, wie dieser Impfstoff verteilt im Land verteilt werden soll und wie er verabreicht werden wird. Auch er erinnert daran, dass Transport und Lagerung bei Minus 70°C kein leichtes Unterfangen sind. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten