Impfstoff in Sicht: Wie soll in Belgien damit umgegangen werden?

In der kommenden Woche wird die belgische Bundesregierung eine Entscheidung fällen, ob und wann sie den Corona-Impfstoff von Pfizer und BioNTech bestellen wird. Die EU-Kommission hatte ja bereits am Dienstag 300 Millionen Dosen bei der amerikanisch-deutschen Pharma-Kooperation bestellt. Aber, auch in Belgien stellt sich die Frage, wer und wann zuerst geimpft werden soll.

Viele Fragen müssen beantwortet werden, damit ein Impfstoff, wie z.B. der Hoffnungsträger von Pfizer und BioNTech, zielgerichtet eingesetzt werden kann. Das betrifft sowohl logistische Probleme (siehe nebenstehenden Beitrag, als auch die Frage, wie und in welcher Reihenfolge die Menschen in unserem Land geimpft werden können und sollen.

Systematische Herangehensweise

Oberstes Ziel ist natürlich, so viele Menschen wie möglich zu impfen, damit das Coronavirus aus unserer Gesellschaft und aus unserem täglichen Leben verbannt werden kann. Jan De Maeseneer, emeritierter Professor für hausärztliche Medizin der Universität von Gent (UGent), fordert die Politik dazu auf, dies gründlich, offen und transparent zu debattieren. In der VRT-Magazinsendung „Terzake“ („Zur Sache“) sagte Maeseneer: „Wir müssen dies systematisch angehen.“

Der emeritierte Professor ist der Ansicht, dass man die Bevölkerung in bestimmte Gruppen einteilen sollte. Die erste Gruppe, die geimpft werden sollte, sei die der Menschen, für die Covid-19 ein großes Risiko darstellt: „Menschen über 65 Jahre und Menschen mit erheblichen Gesundheitsrisiken.“ Zählt man dazu noch die, die im Gesundheitswesen und im Pflegesektor arbeiten, dann kommt man schon hier in Belgien auf rund 4 Millionen Betroffene.

Zielgerichtet vorgehen

Auch hier müsse man also zielgerichtet vorgehen, so Maeseneer: „Denn welche Gruppen nimmt man hinzu und welche nicht? Welche Berufe aus dem Gesundheitssektor nimmt man mit? Welche chronischen Krankheiten fallen darunter? Was sieht man als Risikofaktor an?“

Dass die schwächsten Menschen als erste drankommen, sei logisch, doch in welcher Reihenfolge werden die anderen Gesellschaftsgruppen geimpft? In den USA, so der Professor, habe man eine sorgfältige Liste mit vier Impfphasen aufgestellt. Personen mit essentiellen Berufen, wie z.B. Feuerwehrleute, kommen schon in der zweiten Phase an die Reihe: „Das basiert auf einer Studie der National Academy of Medicine, bei der ich eines der ausländischen Mitglieder bin. Darin hat man sich sehr gut angeschaut, wie man die Gesellschaft dort angehen kann.“

Sozial gerecht

„Soziale Gerechtigkeit muss obenan stehen, denn der Impfstoff muss für jeden gleichermaßen zugänglich sein. Doch für den, der die meisten Probleme hat, muss er zugänglicher sein, als für die, die am wenigsten zu befürchten haben. Dieses wichtige gesellschaftliche Projekt wird gelingen, wenn alles transparent geschieht, wenn die Bevölkerung informiert wird und dadurch das Gefühl hat, dass es eine gute Vorgehensweise ist. Damit kann jeder beruhigt und sicher sein, dass auch er geimpft wird.“ Der emeritierte Professor plädiert denn auch für eine tiefgreifende Debatte im belgischen Bundesparlament.  

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