Herdenimmunität in Belgien? Nur 10 bis 20 % der Menschen haben nach der zweiten Coronawelle Antistoffe

Belgien ist auch nach dieser zweiten Welle des Coronavirus noch weit von einer Herden- oder Gruppenimmunität entfernt. Dieser Ansicht ist das staatliche Wissenschaftsinstitut Sciensano. Nach der zweiten Welle des Virus werden voraussichtlich lediglich 10 bis 20 % der hiesigen Bevölkerung Antistoffe aufgebaut haben. 

Sciensano untersucht, wie schon im Zuge der ersten Welle, gemeinsam mit dem Roten Kreuz die Blutproben von Spendern, um nachzuschauen, ob sich Antistoffe, die eventuell Schutz gegen Covid-19 bieten können, darin finden lassen. Bisher wurden dabei 13.153 Blutproben auf Antistoffe analysiert. Der aktuelle Wert wurde Mitte Oktober ermittelt und betrug lediglich 6 % aller Analysen.

Diese Zahl ist in etwa mit der von Mitte Juni, also knapp am Ende der ersten Viruswelle zu vergleichen. Doch der aktuelle Wert sei mit Vorsicht zu genießen, heißt es dazu bei Sciensano, denn die zweite Welle sei noch voll im Gange und man könne lediglich die jetzt bekannte Zahl als Untergrenze annehmen.

Auch das Institut für Tropenmedizin in Antwerpen untersucht Blutproben nach Antistoffen. Hier wird jeden Monat das Blut von Beschäftigten aus dem belgischen Gesundheitswesen untersucht. Hier liegt der Durchschnittswert etwas höher als beim Roten Kreuz. In der 3. Oktoberwoche waren 11 % dieser Proben mit Antistoffen analysiert worden. Zum Vergleich: Im Juni wurde hier ein Werst von 9,4 % gemessen und im August von 7,8 %.

Herdenimmunität sorgt nicht für das Verschwinden eines Virus

Die dritte Studie, die hier angeführt werden kann, ist die Studie von Sciensano und der Universität Löwen (KU Leuven) bei Schulkindern in der Provinz Limburg (siehe nebenstehenden Beitrag). In zwei Gemeinden wurden Schulkindern Blutproben zur Analyse entnommen. Und hier waren die Unterschiede erheblich: Alken war während der ersten Welle schwer betroffen - 14,4 % Antistoffe; Pelt wurde damals weitgehend verschont - 4,4 % Antistoffe.

Von einer veritablen Herdenimmunität könne in einem Land wie Belgien erst die Rede sein, wenn zwischen 60 und 70 % der Bevölkerung Antistoffe aufgebaut haben. Davon ist man also voraussichtlich auch nach der zweiten Welle weit entfernt. Und eine solche Gruppenimmunität sorge auch nicht für das Verschwinden eines Virus, so Sciensano. Das würden nur Impfstoffe und zielgerichtete Kontrollen schaffen.

Was bedeutet das für den Einzelnen? Ganz einfach! Die geltenden Corona-Vorschriften einhalten: Abstand halten, Kontakte einschränken, Hände waschen, Mund- und Nasenschutz tragen und dies bis zum Vorhandensein eines Impfstoffes. Wie sagt Sciensano-Leiter Steven Van Gucht so gerne: „Haltet durch, das geht vorbei…“ 

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