15.025 Corona-Todesfälle in Belgien: Wer waren die Menschen hinter den Zahlen?

15.025 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona, seitdem die Zahlen der Virusinfektionskrankheit vom Gesundheitsinstitut Sciensano beibehalten werden : Wer stirbt in Belgien an Corona? In welchem Landesteil leben die am meisten gefährdeten Patienten? Die VRT-Wissenschaftsredaktion gibt den Zahlen ein Gesicht.

Über die Hälfte der Toten sind über 85 Jahre

Mehr als 80 Prozent (12.308) aller Belgier, die bisher an Corona gestorben sind, waren älter als 75 Jahre, mehr als die Hälfte sogar über 85 Jahre (7.871).  

Für die jüngeren Jahrgänge scheint Corona weniger bedrohlich. In der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen sind bisher 63 Patienten gestorben, bei den unter 25-Jährigen nur 4. 

Es muss auch klargestellt werden, dass von den 15.000 Todesfällen Menschen sind, die zwar infiziert waren, aber an einer anderen Ursache als das Virus gestorben sind. 

Mehr Frauen als Männer?

Den Statistiken zufolge sind etwas mehr Frauen als Männer an oder mit dem Corona-Virus gestorben: 7.654 (51 Prozent) gegenüber 7.344 (48,8 Prozent) Aber diese Zahlen vermitteln ein falsches Bild des Virus.  

Dass in Belgien mehr Frauen als Männer an dem Virus gestorben sind, erklärt sich dadurch, dass Frauen älter werden als Männer", erklärt Sciensano-Epidemiologe Brecht Devleesschauwer: “Mehr als die Hälfte der Corona-Todesfälle sind über 85 Jahre alt. In dieser Altersgruppe gibt es mehr Frauen als Männer. Es sind also doch mehr Frauen an Corona gestorben als Männer” (59,8 Prozent in der Gruppe der über 85-Jährigen). 

“Betrachtet man die Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen genauer, sieht man, dass viel mehr Männer an oder mit dem Corona-Virus gestorben sind (65,3 Prozent laut Vrt-Redaktion)", so Devleesschauwer weiter: Man kann also auch nicht sagen, dass das Virus für Frauen gefährlicher ist. Denn, sobald jemand infiziert ist, ist das Risiko, an Corona zu sterben, größer bei einem Mann.”

Mehr Tote in Flandern, in der Wallonie oder in Brüssel?

Die meisten Corona-Todesfälle sind bisher in Flandern aufgetreten (46,3 Prozent oder 6.956), gefolgt von der Wallonie (39 Prozent oder 5.857) und Brüssel (14,7 Prozent oder 2.212). Wird zwischen der ersten und der zweiten Epidemiewelle unterschieden, ergibt sich ein anderes Bild. 

In der ersten Welle, die offiziell am 10. März begann und am 30. August endete, zählte Flandern die meisten Todesfälle: 4.903, gefolgt von der Wallonie (3.455) und Brüssel (1.539).  

Aber in der zweiten Welle, die am 31. August begann, hat die Wallonie die meisten Todesopfer zu beklagen: 2.302, verglichen mit 1.983 in Flandern und 657 in Brüssel. 

Trotzdem sind die Zahlen zu nuancieren, so Devleesschouwer: "Flandern hat die meisten Einwohner und daher auch die meisten Todesfälle in absoluten Zahlen. Betrachtet man die Zahl der Todesfälle pro 100.000 Einwohner ergibt sich ein anderes Bild und hat Flandern während der gesamten Epidemie die wenigsten Todesfälle zu beklagen.” 

Die von Devleesschauwer angegebenen Zahlen zeigen, dass die meisten Todesfälle während der zweiten Welle in der Wallonie eintraten: 63 Todesfälle je 100.000 Einwohnern, gefolgt von Brüssel (54 je 100.000) und Flandern (30 je 100.000).     

Während der ersten Welle sind, aufgrund derselben Berechnungsweise, die meisten Todesfälle in Brüssel eingetreten: 126 Todesfälle je 100.000, gefolgt von der Wallonie (95 je 100.000) und Flandern (74 je 100.000).  

Todesfälle während der ersten und der zweiten Welle

Die meisten Todesfälle (9.897) wurden in der ersten Welle registriert. Der 8. April ist der Tag mit der bisher höchsten Zahl von Corona-Todesfällen: 321. 

Während der zweiten Welle sind weniger Todesfälle eingetreten. Die Spitze am 6. November beruht auf 216 registrierten Todesfällen. Die Sterblichkeit scheint seit dem 10. November zu sinken. 

Das Virus ist während der zweiten Welle nicht weniger gefährlich geworden. Neue Erkenntnisse über die Behandlung von Covid-19 haben die Überlebenschancen erhöht.    

 

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