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Wegen COVID-19: 5.000 Krebsdiagnosen weniger. „Therapien nicht länger hinauszögern"

Statistiken der Stiftung Krebsregister belegen, dass es in Belgien zwischen dem 1. März und dem 18. September 2020 etwa 5.000 Krebsdiagnosen weniger gab als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Schuld an diesem Rückgang ist laut dieser Stiftung die Coronapandemie, wegen der weniger Krebspatienten medizinisch betreut wurden. 

Im Juli veröffentlichte die Stiftung Krebsregister bereits die Ergebnisse einer ersten Studie über die Folgen der Coronarrise. Die Studie zeigte, dass die Zahl der Krebsdiagnosen in den Monaten März und April fast halb so hoch war wie in den gleichen Monaten des Vorjahres.  

In der Zwischenzeit konnte die Stiftung Krebsregister die Zahlen bis zum 18. September auf der Grundlage von Daten aus den Labors für pathologische Anatomie in unserem Land ergänzen.  Es scheint, dass es zwischen dem 1. März und dem 18. September etwa 5.000 Krebsdiagnosen weniger gab als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist ein Rückgang von 14 Prozent. In einem coronafreien Jahr gibt es etwa 5.000 Krebsdiagnosen pro Monat.

Stärkste Rückgänge im März und April

Die Zahl der Diagnosen ging in den Monaten März und April besonders stark zurück. In den ersten Monaten der Coronaepidemie waren die Krankenhäuser überlastet, so dass es weniger (oder keinen) Raum für Konsultationen und Untersuchungen gab. Erst als weniger Covid-Patienten in den Krankenhäusern eingeliefert wurden, konnten wieder mehr andere Untersuchungen durchgeführt werden und das auch bei Krebspatienten.   

Die Stiftung stellte auch fest, dass es weniger Diagnosen von Hautkrebs (- 22 Prozent) und Blasen- und Nierenkrebs (ebenfalls - 22 Prozent) gab. Bei Kopf- und Halskrebs wurde es einen Rückgang von 19 Prozent, bei Prostatakrebs einen Rückgang von 15 Prozent festgestellt.

Bei den so genannten hämatologischen Malignomen (Krebserkrankungen des Knochenmarks oder der Lymphknoten) sank die Zahl der Diagnosen um 15 Prozent. Zu dieser Gruppe von Krebserkrankungen gehören auch akute Leukämien. Dort ging die Zahl der Diagnosen nur um 2 Prozent zurück.   

Andere aggressive Krebsarten (außer akuten Leukämien) zeigten ebenfalls einen weniger ausgeprägten Rückgang: Lungenkrebs - 10 Prozent, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Speiseröhrenkrebs - 9 Prozent. 

Die Stiftung Krebsregister erwartet, dass es in den kommenden Wochen zu einer Aufholjagd kommen wird und dass einige der bisher verschobenen Untersuchungen doch noch stattfinden werden. Somit wird die Bilanz am Ende des Jahres wahrscheinlich etwas weniger negativ aussehen.   

"Verschieben Sie Arztbesuch und Therapien nicht länger."

Die belgische Krebsstiftung fordert bereits jetzt alle auf, bei einem Verdacht auf Krebserkrankung den Arztbesuch und die notwendigen Therapien nicht länger aufzuschieben.

In einer Pressemitteilung heißt es: "Wir wissen noch nicht, welche Auswirkungen der zweite "Lockdown" haben wird, auch wenn er weniger streng ausfällt als der erste. Die nicht erfolgten Diagnosen bedeuten nicht, dass es weniger Krebsfälle gibt, aber sie könnten bedeuten, dass mit der Diagnose und Behandlung zu einem späteren Zeitpunkt begonnen wird".

"Infolgedessen besteht die Gefahr einer aggressiveren Behandlung, ganz zu schweigen von einer ungünstigeren Prognose. Es ist noch zu früh, um zu wissen, ob dies tatsächlich der Fall ist, aber es könnte durchaus eine der schwerwiegenden Begleiterscheinungen der Pandemie sein. Denn wie wir wissen, warten Krebserkrankungen nicht: je früher die Diagnose und der Beginn der Behandlung, desto größer die Heilungschancen!“

UZ Leuven

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