Belgiens Premierminister De Croo: „Löwenanteil der Impfstoffe nicht vor Mitte 2021“

Die meisten Corona-Impfstoffe werden in unserem Land erst im zweiten und dritten Quartal 2021, d.h. zwischen Frühjahr und Herbst nächsten Jahres, erwartet. Das sagte Belgiens Regierungschef, Premierminister Alexander De Croo (Foto) in der sonntäglichen VRT-Talkshow „De zevende dag“ (dt.: "Der siebte Tag"). Die ersten Dosen könnten noch vor Ende diesen Jahres eintreffen, "aber wir müssen über einen relativ langen Zeitraum ziemlich vorsichtig bleiben", fasst De Croo die Lage zusammen. Der Einsatz von Millionen von Schnelltests könnte ab 2021 eine gewisse Lockerung ermöglichen, so De Croo.

Ja, es gibt Licht am Ende des Tunnels, betont De Croo. "Denn das europäische System hat gut funktioniert: 25 Millionen Dosen für unser Land sind garantiert, wir haben jetzt vier Impfstoffe über die Europäische Union bestellt". Aber bevor die Belgier tatsächlich gegen Corona geimpft werden, wird es auch 2021 sicherlich noch ein paar Monate dauern.

"Wenn die ersten Dosen eines Corona-Impfstoffs Ende Dezember in unserem Land eintreffen, bedeutet das nicht, dass wir innerhalb eines Monats die ersten Menschen impfen können. Der größte Teil der Impfungen entfällt auf das zweite und dritte Quartal 2021. Das bedeutet, dass wir für einen relativ langen Zeitraum noch ziemlich vorsichtig sein müssen", sagt De Croo. "Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass wir nicht schon bald zum normalen Leben zurückkehren können.“

Wer zuerst gegen Corona geimpft werden kann, ist laut De Croo klar. "Zuerst die Menschen, die in der Pflege arbeiten, weil sie dem Virus ausgesetzt sind und weil wir sie brauchen, um für andere Menschen zu sorgen. Dann werden die über 65-Jährigen und gefährdete Menschen geimpft", so der Premier. Vom Vorschlag erst jüngere Bevölkerungsgruppen nach dem Pflegepersonal zu impfen, hält  De Croo nichts.

"Millionen von Schnelltests sind nötig, um mehr zuzulassen".

Neben der Impfpolitik wird die Testpolitik ein wichtiger Aspekt im Umgang mit dem Coronavirus bleiben. "Schnelltests können dem eine neue Dimension verleihen", sagt De Croo. "Und wir werden Millionen von Schnelltests brauchen, 2 bis 4 Millionen pro Monat in unserem Land. Wenn die Ausbreitung des Virus erst einmal gering genug ist, können uns weitreichende Schnelltests noch einiges mehr ermöglichen".

In den Niederlanden wütet die Diskussion, dass ein Ergebnis eines Schnelltests darüber entscheiden könnte, ob jemand Zugang zu einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Veranstaltung erhält. De Croo will auf diese Möglichkeit nicht eingehen. "Schauen wir uns das noch einmal an. Sicher ist, dass das Ergebnis jedes Coronatests ordnungsgemäß registriert werden muss. Wir müssen diese Daten haben und sie korrekt speichern. Sonst tun wir uns mit diesem Ansatz keinen Gefallen".

In der Weihnachtszeit machen oder brechen wir eine dritte Welle. Ich will sie auf jeden Fall brechen.
Premierminister Alexander De Croo (Open VLD)

Wie sieht es mit Weihnachten und Neujahr aus?

Ein weiterer Coronakonsultierungsausschuss der belgischen Regierung mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer ist für nächsten Freitag geplant. Dann sollen die derzeitigen Maßnahmen überprüft werden. "Die Zahlen bewegen sich in die gute Richtung, und das ist uns allen zu verdanken. Am Freitag werden einige Dinge auf dem Tisch liegen, darunter die Wiedereröffnung der nicht unbedingt notwendigen Geschäfte und Museen", sagt De Croo. "Aber bei jeder Entscheidung, die wir treffen, fragen wir uns: Ist es mit den aktuellen Coronazahlen verantwortungsvoll, etwas zu lockern? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen?"

Die Weihnachtszeit wird entscheidend, um eine dritte Coronawelle zu vermeiden, sagt De Croo. "Für mich persönlich gibt es zwei Phasen: die Kontrolle des Virus mit strikten Maßnahmen, um die Zahlen niedrig zu halten, und die Kontrolle des Virus bei niedrigen Zahlen, um sicherzustellen, dass die Zahlen niedrig bleiben. Am Freitag sind wir immer noch in der Bekämpfungsphase, und das noch eine Weile. Entweder wir brechen die dritte Welle zur Weihnachtszeit, oder wir sorgen für eine dritte Welle. Ich will sie brechen, nicht ermöglichen. Obwohl ich mir sehr wohl bewusst bin, dass es für viele Menschen im Moment sehr schwierig ist. Aber wird noch schwieriger sein, wenn es zu einer dritten Welle käme".

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