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VRT-Newsanker Martine Tanghe geht nach 42 Jahren in der Nachrichtenredaktion in Rente

Unser Haus, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, verabschiedete am Montagabend die hierzulande wohl bekannteste und beliebteste Nachrichtensprecherin überhaupt. Martine Tanghe ging mit 65 Jahren und nach 42 Jahren Nachrichten-Moderation in Rente. Martine war Vorbild für alle Newsankers in Flandern, sie war das Gesicht des "Journaals" und sie war eine ausgesprochene Verfechterin allerbester niederländischer Sprache. Ihre letzte „Journaal“-Sendung moderierte sie am Montagabend um 19 Uhr - mit über 2 Millionen Fernsehzuschauern!

Martine Tanghe begann nach abgeschlossenem Germanistikstudium und nach bestandener Journalistenprüfung beim flämischen Rundfunk BRT (später BRTN und noch später VRT) am 1. Februar 1978 mit ihrer Arbeit als Journalistin in der Nachrichtenredaktion – damals noch eine Männerbastion. Nur wenige Monate später moderierte sie ihre erste Nachrichtensendung und bestach schon damals mit ihrer frischen Art vor der Kamera. Schnell kam Lob von allen Seiten zu ihrem absolut korrekten Sprachgebrauch.

Anfangs kombinierte Martine Tanghe, wie alle ihrer Kollegen auch, die Nachrichtenmoderation mit Reportagearbeit im In- und Ausland. Einmal, 1978, wurde sie bei der Berichterstattung über eine Demonstration von Rechtsradikalen im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek sogar von 5 Männern verprügelt.

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Martine, so sagt sie selbst, ist nie gegen ihren Sinn zur Arbeit gegangen. Sie freute sich auf jeden Arbeitstag und besonders auf die Moderation von stundenlangen Wahlsendungen. Immer aber achtete sie auf korrekten Sprachgebrauch - auch bei ihren Kolleginnen und Kollegen, was schon manchmal lästig war, aber immer der guten Sache diente, nämlich einer guten Nachrichtenausgabe. Eigentlich war ihr aber letztendlich jeder dankbar für alle Tipps und Verbesserungen. Dieses „Vorbild sein“ hat sich hier im Hause jeder zu Herzen genommen und auch bei den Kollegen bei der privaten Konkurrenz gilt sie als Vorbild.

Doch wenn man einen Fehler bei ihr entdeckte, z.B. bei der Aussprache eines Namens oder eines Wortes in einer anderen Sprache, war sie ihrerseits stets sehr dankbar. Der Autos dieser Zeilen erinnert sich noch gerne und innerlich schmunzelnd an einen Beitrag über die Energiewende am Beispiel von Wasserkraft in Deutschland. Nach einigen Ausspracheübungen sagte sie völlig korrekt und mit einer wunderbaren und fast herzlichen Betonung das Wort „Pumpspeicherwerk“. Nie mehr wird jemand dieses Wort noch so schön in einer VRT-Nachrichtensendung aussprechen…

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König Philippe bedankte sich bei Martine Tanghe für ihre 42 Jahre Arbeit in der VRT-Nachrichtenredaktion und als Newsanker

Martine Tanghe galt als Sprachexpertin nicht nur in Flandern sondern auch in den benachbarten Niederlanden. Und sie war 42 Jahre lang quasi in jedem flämischen Haushalt bekannt und beliebt. Und nicht nur dort. Einige Tage vor ihrer Pensionierung wurde sie zu einer Audienz bei König Philippe eingeladen, der sich für ihre Arbeit sehr bedankte. Über 2 Millionen Zuschauer saßen am Montagabend in Flandern, in Brüssel und wohl auch anderswo an den TV-Geräten, um ihre letzte Sendung und die anschließende Hommage von Seiten ihrer Kollegen zu sehen. In diesem Rahmen wurde Martine auch mit dem "Jan Wauters-Preis" für niederländische Sprache ausgezeichnet. Die selbst hatte jahrelang in der Jury für diesen Preis gesessen. 

Sie wird uns fehlen, die Martine. Uns als Kollegen und Kolleginnen bei der VRT und auch den vielen Menschen „draußen an den Fernsehgeräten“. Viele haben von ihr gelernt. Sie hat uns die Welt erklärt und dies in allerbestem Niederländisch. Und sie prägte einen unvergesslichen Schlusssatz, den sie etwa in den letzten 20 Jahren am Ende einer jeden Sendung sagte: „Danke, dass Sie bei uns waren“ („Dank, dat u bij ons was“).

Liebe Martine, danke, dass du bei uns warst. Alles Gute und bleib gesund! Die Redaktion von flanderninfo

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