Wie steht es um die drohende Exekution des VUB-Gastdozenten Djalali im Iran?

Der schwedisch-iranische Mediziner und Notfallarzt Ahmadreza Djalali, der an der Brüsseler Uni VUB Gastdozent ist, sollte in ein Gefängnis nahe der iranischen Hauptstadt Teheran gebracht werden,doch der entsprechende Befehl wurde zurückgezogen. Nach Ansicht von seiner Ehefrau und seinem belgischen Anwalt hätte dies auf eine baldige Exekution hingewiesen. Allerdings hätte dieser Vorgang auch eine Drohung gegenüber Belgien aus Richtung Iran gewesen sein können, denn hier steht ein iranischer Diplomat vor Gericht, der einen Anschlag auf Exil-Iranier in Paris geplant haben soll. 

Ahmadreza Djalalis Frau Vida Mehrannia bittet die belgische Bundesregierung dennoch darum, einzugreifen, da sich ihr Mann weiter in akuter Lebensgefahr befinde. Belgien kann nach ihrer Ansicht in dieser Sache eine entscheidende Rolle spielen: „Bitte Belgien, hilf meinem Mann. Sie müssen begreifen, das sein Leben wirklich in Gefahr ist. Kontaktieren sie Teheran. Sprechen sie dort mit den Verantwortlichen. Wir haben zwei Kinder, die ihren Vater seit vier Jahren nicht mehr gesehen haben.“ 

Wies De Graeve von Amnesty International in Belgien ist ebenfalls der Ansicht, dass die nächsten Stunden entscheidend sein können: „Wir befürchten das Schlimmste in den kommenden Stunden. Die Lage ist besonders alarmierend.“ Doch im Laufe des Mittwochs meldete die Menschenrechtsorganisation, dass der Befehl zur Verlegung Djalalis nicht ausgeführt worden sei.

Djalalis Frau hatte am Dienstag mit dem Anwalt ihres Mannes im Iran telefoniert und dieser soll ihr mitgeteilt haben, dass die dortigen Behörden die Exekution ihres Mannes an den Prozess gegen den iranischen Diplomaten Assadollah Asadi in Antwerpen koppeln. Diesem wird vorgeworfen, 2015 einen Anschlag gegen Exil-Iraner in Paris geplant zu haben, den die belgische Polizei kurz zuvor vereiteln konnte. Aus Teheran verlautete denn auch, dass Djalalis Lage schlechter werde, weil „Belgien Asadi Schwierigkeiten macht.“

Warum sitzt Djalali in der Todeszelle?

Djalali wurde zum Tode verurteilt, weil er dem israelischen Geheimdienst Mossad angeblich Informationen über zwei iranische Wissenschaftler weitergegeben haben soll. Die beiden Wissenschaftler wurden danach ermordet. Er soll zudem geheime Details zu Nuklear- und Verteidigungsprogrammen seines Landes westlichen Geheimdiensten zugespielt haben. Der Gastdozent der Freien Universität Brüssel hatte laut UN-Experten unter Zwang gestanden, die Informationen weitergegeben zu haben.

Im April 2016 wurde Djalali, der auch die schwedische Nationalität hat, bei einem Besuch in seiner iranischen Heimat verhaftet. Gegen das Urteil protestierten seitdem alle Hochschulen und Universitäten in Belgien, zahlreiche Persönlichkeiten weltweit - darunter einige Nobelpreisträger - sowie hochrangige belgische Bundes- und flämische Landespolitiker. Auch die schwedische Regierung schaltete sich ein, denn Djalali hat neben der iranischen auch die schwedische Staatsangehörigkeit. 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten