Fall Djalali: Außenministerin Wilmès nahm Kontakt mit der iranischen Regierung auf

Im Fall des in einer iranischen Zelle auf die Vollstreckung seines Todesurteil wartenden schwedisch-iranischen Mediziners Ahmadreza Djalali, der in Brüssel Notfallarzt und Gastdozent an der VUB-Universität ist, hat Belgiens Außenministerin Sophie Wilmès (Open VLD - Foto) am Mittwoch mit ihrem iranischen Amtskollegen Javad Zarif telefoniert. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nichts bekannt, doch worum es dabei ging, ist leicht zu erahnen.

Offenbar missbraucht der Iran Javad Zarif als eine Art Faustpfand, denn in Antwerpen steht gerade der iranische Diplomat Assadollah Asadi vor Gericht. Diesem wird vorgeworfen, 2015 einen Anschlag gegen Exil-Iraner in Paris geplant zu haben, den die belgische Polizei kurz zuvor vereiteln konnte. 

Aus dem belgischen Außenamt verlautete offiziell nichts zu dem Telefonat zwischen Wilmès und Zarif, doch das iranische Außenministerium twitterte dazu, dass die Außenministerin den Mord auf den iranischen Wissenschaftler und Kernphysiker Mohsen Fakhrizadeh verurteilt habe.

Ansonsten sei es bei diesem Telefonat um "bilaterale konsularische Fragen" gegangen sei. Die belgische Nachrichtenagentur Belga meldete allerdings unter Berufung auf Quellen aus dem Außenministerium in Brüssel, dass sehr wohl über das Schicksal von Djalali gesprochen wurde. 

Wilmès soll dabei unterstrichen haben, dass Belgien prinzipiell gegen die Todesstrafe ist und dass unser Land will, dass das Todesurteil gegen den Mediziner nicht vollstreckt wird. 

Offiziell, hieß es später aus dem Außenministerium, wolle man über diesen Vorgang nicht kommunizieren. Dies könne sich in dieser Angelegenheit als "kontraproduktiv" erweisen, so eine Sprecherin des Außenamtes: "Wegen der Sensibilität dieses Falls kann dazu inhaltlich nichts über das Gespräch mitgeteilt werden." 

Am Donnerstagabend haben die Abgeordneten der ersten Kammer im belgischen Bundesparlament einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der bei der iranischen Regierung mit Nachdruck verlangt wird, Djalali freizulassen und das Todesurteil gegen ihn auszusetzen. Im Gegenzug ließen die iranischen Behörden wissen, dass man „zu einem Gefangenenaustausch jederzeit bereit sei.“  

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