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Drohender Brexit: Hochdruck in Calais und Dünkirchen sorgt für LKW-Rückstau bis Veurne

Seit Donnerstag stauen sich Lastwagen, die auf dem Weg nach Großbritannien sind, kilometerlang vor den Fährhäfen von Calais und Dünkirchen und auch vor den Ladestationen für die LKW-Züge, die durch den Kanaltunnel fahren. Offenbar sitzt bei vielen Unternehmen auf den britischen Inseln und in der EU die Angst vor dem Brexit im Nacken und sie wollen bis zum Jahreswechsel so viele Waren und Güter auf die britischen Inseln schaffen, wie nur irgendwie möglich. Auch belgische Unternehmen und LKW sind davon betroffen.

Das sorgt für einen Rückstau, der inzwischen die französisch-belgische Grenze überschritten hat. Die Lastwagen stauten sich am frühen Donnerstagabend bis Veurne in Westflandern. Dort ermöglichte die Verkehrspolizei den Truckern sogar, auf dem Pannenstreifen bzw. auf dem rechten Fahrstreifen auf der Autobahn zu warten (Foto oben).

Unsere Landkarte (Illustration unten) zeigt dick rot angezeigt, wo sich die Staus derzeit konzentrieren. Die Autobahn A16 und die E40 sind fast schon zu LKW-Parkplätzen geworden. Die Polizei in Frankreich und in Belgien versucht, ein allgemeines Verkehrschaos zu vermeiden.

(Lesen Sie bitte unter der Karte und dem Foto weiter)

Lastwagen auf dem Weg nach Calais und Dünkirchen werden bereits ab Lille in Frankreich und ab Adinkerke und Veurne in Westflandern angehalten und dort jeweils zu Stell- und Parkplätzen geleitet, bis wieder Kapazitäten auf den Fähren und den Tunnelzügen freiwerden. Auch PKW-Fahrer sollten sich inzwischen auf Wartezeiten vorbereiten, so das flämische Verkehrsinstitut und die VRT-Verkehrsredaktion.

Enorme Frachtmengen

Grund für diese Situation ist die Tatsache, dass die Wirtschaft vor dem Brexit mit seinen neuen Zoll-Bedingungen in Großbritannien ab dem 1. Januar 2021 so viele Waren und Güter wie möglich auf die britischen Inseln schaffen wollen. Aber, es sind auch aufgrund der Corona-Verordnungen weniger Fähren unterwegs, die die Lastwagen über den Ärmelkanal bringen.

Nach Angaben des Fachverbandes Transport und Logistik Flandern (TLV) hat sich das Warenvolumen auf dem Weg auf die britischen Inseln seit rund zwei Wochen im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum quasi verdoppelt. Allerdings ist von solchen Problemen bisher nur der nordfranzösische Raum betroffen. In Zeebrügge ist die Lage weiterhin eher entspannt und normal.

Die Brexit-Angst hat auch eine weitere negative Folge. Die Zahl der Transmigranten, die von Schleusern an Bord von Lastwagen nach Großbritannien gebracht werden, ist ebenfalls größer geworden. Dies stellt die belgische Polizei fest. In der Grenzregion zwischen Nordfrankreich und Westflandern wurden vermehrt Migranten aufgegriffen und Menschenschmuggler festgenommen (Foto unten). 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Radio 2

Belgische Tiefkühlfritten für den britischen Markt

Unter den auf die Überfahrt oder die Channel-Tunnel-Fahrt wartenden LKW sind auch Lastwagen aus Belgien, z.B. vom belgischen Tiefkühlwaren-Hersteller Agristo. 15 bis 20 Trucks aus diesem Unternehmen stehen irgendwo vor Calais im Stau, so eine Unternehmenssprecherin.

Woche für Woche fahren derzeit 250 bis 300 Lastwagen alleine aus diesem Unternehmen nach Großbritannien, denn Agristo stellt lang haltbare tiefgekühlte Lebensmittel her, darunter auch Tiefkühlfritten, für die auf den britischen Inseln gerade eine große Nachfrage besteht.

Auch dieses Unternehmen muss sich noch konkret auf die neuen Bedingungen durch den Brexit vorbereiten, doch bis heute herrsche noch sehr viel Unklarheit darüber, denn die britischen Behörden haben bisher kaum etwas Greifbares vorgelegt und die Zollbestimmungen stehen ebenfalls noch nicht und dies knapp einen Monat vor dem Brexit. Und es ist auch noch nicht klar, ob dies ein harter oder ein softer Ausstieg der Briten aus der EU wird… 

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