Spionage? Negatives Gutachten für den Neustart der Großen Moschee in Brüssel

Belgiens Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) stellt der Wiederaufnahme des Betriebs in der Großen Moschee von Brüssel ein negatives Gutachten aus. Vor einiger Zeit wurde die Moschee dem Einfluss Saudi-Arabiens entzogen, doch im neuen vorläufigen Verwaltungsrat sollen Spione sitzen, die für Marokko arbeiten, wie die belgische Staatssicherheit herausgefunden hat.

Die flämischen Tageszeitungen Het Laatste Nieuws und De Morgen melden in ihren Freitagsausgaben, dass die belgische Justiz dem Antrag für eine erneute Anerkennung der Moschee ein negatives Gutachten ausgestellt hat. Die Große Moschee im Jubelpark in Brüssel wurde seit ihrer Gründung von Saudi-Arabien finanziert, doch im April dieses Jahres wurde dieser Einfluss beendet, denn hier wurde eine radikal-islamistische und salafistische Lehre gepredigt.

Danach wurde die Leitung der Moschee der belgischen Moslemexekutive anvertraut, eine Einrichtung die die meisten Beteiligten - auch und gerade der belgische Staat - anerkennen. Diese setzte einen vorläufigen Verwaltungsrat ein, der einen Antrag für eine erneute offizielle Anerkennung durch den belgischen Staat stellte. Doch diesem Antrag wird vorerst nicht stattgegeben, denn es erweisen sich Vorbehalte.

Mögliche Spionage

Die belgische Staatssicherheit hat im Rahmen ihrer Überprüfung in diesen Zusammenhang herausgefunden, dass der saudi-arabische Einfluss offenbar Platz für eine Beeinflussung aus Richtung Marokko gemacht hat. Und hier lautet die Feststellung auf mögliche Spionage. Die Staatssicherheit nennt drei Namen, darunter ein Verwalter der Moschee, die ihr als Agenten der marokkanischen Nachrichtendienste bekannt sind. Diesen Befund haben die anderen belgischen Nachrichtendienste nach einer Prüfung unterschrieben.

Wichtige islamische Einrichtung

Justizminister Van Quickenborne will, dass die Große Moschee von Brüssel als eine der wichtigsten Glaubenseinrichtungen des Islam in Belgien, aus keiner Richtung und aus keinem Land beeinflusst wird. Betroffen von dem Versuch, Einfluss zu nehmen, ist vor allem die von dort aus organisierte Ausbildung von Imamen, die übrigens gesondert vom belgischen Staat bezuschusst wird. 

Laut De Morgen ist einer der umstrittenen marokkanischen Verwalter auch Mitglied der Arbeitsgruppe, die diese Ausbildung organisiert. Doch hier sorgt nicht nur der marokkanische Einfluss für Bedenken. Ein weiteres Mitglied dieser Arbeitsgruppe ist der Leiter der belgischen Vertretung von Diyanet, dem türkischen Religionsministerium. 

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