Aufgrund der Coronakrise brechen Hochschul- und Uni-Studenten ihr Studium ab

Es liegen (noch) keine konkreten Zahlen vor, aber die psychologischen Studentenbetreuer von Universitäten und Fachhochschulen sind überfordert, weil sich immer mehr Studenten mit mentalen Problemen bei ihnen melden. "Wir stellen fest, dass Studenten vom Radar verschwinden", stellt VUB-Rektorin Caroline Pauwels fest. VRT NWS sprach mit zwei Studenten, die sich gezwungen sahen, das Handtuch in den Ring zu werfen.

„Im September habe ich mein Studium in Logistikmanagement mit vollem Mut begonnen", sagt Mohamed Akarouch (Foto oben), inzwischen Ex-Student der Thomas-More-Hochschule. "Ich konnte nur drei Kurse vor Ort besuchen, alle anderen Vorlesungen waren. Seitdem habe ich allen Mut und alle Motivation verloren". Er hat sich noch nicht offiziell abgemeldet, aber er besucht die Online-Kurse nicht mehr.

"Ich bin der Typ Mensch, der den Stoff im Präsenzunterricht viel leichter verarbeiten kann. Ich habe mehr Bewegungsspielraum, ich kann mit dem Lehrer und meinen Mitstudenten interagieren. Wenn ich eine Frage habe, hebe ich meine Hand. Ich kann das einfach nicht online machen. Dann sitzt man auf seinem, öffnen Ihren Laptop und das war's."

Wenn die Studentenzeit die beste Zeit des Lebens sein soll, dann liegt das an den Partys und den Leuten, die man trifft. Das geht jetzt aber alles nicht.
Rian Snoeks

Rian Snoeks (Foto, unten), ein Sprach- und Literaturstudent im ersten Jahr an der KU Leuven, hat ebenfalls beschlossen, das Studium abzubrechen. "In der Studentenbude befindet man sich ständig zwischen vier Wänden. Man kommt nirgendwo hin, wo man nicht sein sollte, denn das ist nicht erlaubt und es ist nicht sicher. Auf die Dauer wurde es geistig so schwer und anstrengend, dass ich keine Lust mehr hatte, etwas zu tun. Da beschloss ich, das Studium zu schmeißen. Nicht, weil ich die Kurse nicht mochte, sondern weil ich nicht mit meiner Gesundheit spielen wollte.  Anhalten, Luft holen und mich selbst wiederfinden, das war notwendig. Wenn ich noch einen Monat weitergemacht hätte, wäre ich völlig zusammengebrochen. Das wollte ich nicht", sagt er.

"Wenn die Coronarkrise vorbei ist, werde ich mein Studium wieder aufnehmen", sagt Mohamed Akarouch. "Dann bin ich sicher, dass die Motivation wieder da sein wird. Denn dann bin ich nicht mehr allein auf diesen Laptop angewiesen und kann wieder Kontakt zu anderen Studenten aufnehmen. Rian Snoeks ist sich dessen noch nicht sicher. Vorerst will er sich auf seine Gesundheit und seine musikalische Karriere als Rapper konzentrieren. 

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