Es steht schlecht um den Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht in Flandern

Ein neuer Vergleich der flämischen 10-Jährigen mit ihren Altersgenossen aus aller Welt zeigt, dass sich ihre Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften verschlechtert haben.  Eine große Gruppe von Schülern beherrscht nicht einmal die absoluten Grundlagen.

Die TIMMS-Umfrage wird alle vier Jahre durchgeführt und erfasst die schulischen Leistungen von 10-Jährigen in 58 Ländern oder Regionen, die über eine eigene Bildungspolitik verfügen. Sie versucht, die langfristigen Schulleistungen von Grundschulkindern in Mathematik, Geographie, Physik und Biologie international zu vergleichen und Trends in den Bildungssystemen zu dokumentieren.

4.665 Schüler in 147 flämischen Schulen haben an dem Test teilgenommen, der vergangenes Jahr durchgeführt wurde und nicht von der Pandemie betroffen war.  Die Ergebnisse sind schlecht.  Flämische Schüler rutschten vom 11. auf den 17. Platz ab, was die Ergebnisse in Mathematik betrifft.  In den Naturwissenschaften fiel Flandern im Vergleich zu vor vier Jahren von Platz 31 auf Platz 35 zurück.

Die flämischen Schülerinnen und Schüler schneiden in einfacher Arithmetik einschließlich Bruchrechnung und Problemsortierung schlecht ab.  In den Naturwissenschaften sind es vor allem die Ergebnisse in Geographie, die schlecht sind.  Asiatische Länder, Singapur, Südkorea, Taiwan, Japan und Russland liegen in Mathematik und Naturwissenschaften an der Spitze.  Die Leistung Flanderns ist ähnlich wie die der Niederlande und der USA. Mit unserem 35. Platz in den Naturwissenschaften liegen wir zwischen Portugal und Kasachstan.  Polen und Bulgarien übertreffen uns bei weitem.  Nur Frankreich und Malta schneiden in Europa schlechter ab.

Flandern fordert Grundschüler nicht genug

Die Forscher sprechen von einer deutlichen Verschlechterung in Mathematik und Naturwissenschaften: Flandern kann die begabtesten Schüler nicht herausfordern.

90% der Schüler besuchen den Kindergarten, aber nur wenige Eltern geben an, dass ihre Nachkommen zu Beginn des ersten Grundschuljahrs sehr gut lesen und schreiben können.  Nur wenige Eltern entwickeln irgendwelche Lernaktivitäten mit ihren Kindern. Die zu Hause gesprochene Sprache - die sich oft von der Sprache in der Schule unterscheidet - spielt eine Rolle, aber der Einfluss sozioökonomischer Faktoren ist entscheidender: das Vorhandensein von Büchern zu Hause, Internetzugang, ein eigenes Zimmer und das Bildungsniveau der Eltern.

Situation alles andere als rosig

Auch in der Schule läuft manches schief: Im Unterricht gibt es keinen ausreichenden Zugang zu Computern und Tablets.  Die Lehrer brauchen mehr IKT-Ausbildung, weil sie sich mit Informations- und Kommunikationstechnologien nicht auskennen und es wird nicht genug Wert darauf gelegt, dass die Schüler gute Ergebnisse erzielen.

Der flämische Bildungsminister Ben Weyts (N-VA) räumt ein, dass die Situation alles andere als rosig ist.  Weyts beabsichtigt, das Sprachscreening von Kindern im dritten Kindergartenjahr voranzutreiben.  Auf diese Weise kann Schülern bei schlechten Sprachkenntnissen der niederländischen Unterrichtssprache nachgeholfen werden. Die Lernziele in Mathematik und Niederländisch sollen präziser formuliert werden und diese Lernziele, die die Schüler in der Grundschule erreichen müssen, sollen an Bedeutung gewinnen.  Minister Weyts glaubt, es könne ein Jahrzehnt dauern, bis wir die Ergebnisse der Reformen sehen, aber er drängt auf eine stärkere Prüfung der Schulleistungen sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarschule.  

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