Gemälde des Antwerpener Barockmalers Jacob Jordaens im Rathaus von Sint-Gillis entdeckt

Das Gemälde hing fast 60 Jahre lang mehr als 4 Meter hoch im Büro des Stadtrats für Stadtplanung und galt bis jetzt als einfache Kopie. Ende 2021 wird das Publikum das Gemälde nach der Restaurierung in seiner ganzen ursprünglichen Brillanz und Farbenpracht entdecken können.

Das Gemälde des Antwerpener Barockmeisters Jacob Jordaens (* 19. Mai 1593 in Antwerpen; † 18. Oktober 1678 ebenda)wurde 2019 eher zufällig im Rathaus der Brüsseler Stadtgemeinde Sint Gillis (Saint-Gilles). Es wurde als die älteste bekannte Version des Themas "Die Heilige Familie" beglaubigt, wie die Königlichen Museen für Schöne Künste Belgiens am Dienstag in einer Pressemitteilung mitteilten. Das Werk, das fast 60 Jahre lang im Büro des Stadtrats für Stadtplanung schlummerte, galt lange Zeit als einfache Kopie.

"Die Heilige Familie" wurde von Jordaens in drei weiteren Gemälden dargestellt, die im renommierten Metropolitan Museum in New York, in der Eremitage in St. Petersburg und in der Alten Pinakothek in München aufbewahrt werden.

Die kostbare bemalte Tafel konnte dank der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem Königlichen Institut für künstlerisches Erbe, den Königlichen Museen für Schöne Künste Belgiens und den internationalen Experten des Jordaens Van Dyck Panel Paintings Project nach mehr als einem Jahr umfangreicher Forschung mit Sicherheit Jacob Jordaens um 1617-1618 zugeschrieben werden.

Das Rathaus von Saint-Gilles beherbergt Hunderte von Kunstwerken. Viele von ihnen wurden von dem Maler und Kunstsammler Léopold Speeckaert gestiftet. Nach seinem Tod im Jahr 1915 schenkte er seine gesamte Sammlung der Gemeinde, aber bis 2019 hätte niemand gedacht, dass ein solcher Schatz im Rathaus hing. (Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Das beglaubigte Gemälde

Es war Constantin Pion, ein Kunsthistoriker, der im Auftrag des Königlichen Instituts für künstlerisches Erbe ein Inventar der Kunstsammlung der Stadt Brüssel erstellte, der dieses 4 Meter hoch hängende Gemälde im vergangenen Jahr entdeckte.

"Als ich es aus der Nähe sah, sagte ich mir, das es viel schöner ist, als auf dem kleinen Schwarzweißfoto, über das ich verfügte", erklärt Constantin Pion. "Danach hatte ich das Glück, das Gemälde abhängen zu können, was lange Zeit, mindestens ein halbes Jahrhundert lang, nicht getan worden war. Und dann übermannte mich ein Glücksgefühl, denn als wir das Bild umdrehten, entdeckten wir eine Reihe von Hinweisen, wie etwa die Zeichen des Paneelherstellers und der Stadt Antwerpen, die es uns erlaubten, das genaue Herstellungsdatum des Gemäldes zu datieren".

Die sorgfältige Analyse dieser Holztafel, auf die Jacob Jordaens gemalt hatte, ergab auch, dass das verwendete Holz vom selben Baum stammt, das auch der junge Antoine van Dyck (1599-1641), ein weiterer Meister der Barockmalerei, in mehreren seiner Kompositionen verwendete. Dies bestärkt die Hypothese, dass die jungen Maler Jordaens und Van Dyck gleichzeitig in Rubens' Werkstatt tätig waren.

Die "Heilige Familie", mehr als 400 Jahre alt, wird jetzt ein Jahr lang gründlich restauriert.  Ende 2021 wird das Publikum das Gemälde in seiner ganzen ursprünglichen Brillanz und Farbenpracht in den Königlichen Museen für Schöne Künste Belgiens bewundern können.

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