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Virologe Van Gucht über Corona-Zahlen: Die Leute sind mehr unterwegs, Infektionen werden steigen

Die Zahl der Krankenhausaufnahmen ist am Dienstag erneut gestiegen. Auch die durchschnittliche Zahl der neuen Corona-Infektionen nimmt wieder zu. Laut dem Virologen Steven Van Gucht vom belgischen Gesundheitsinstitut Sciensano kann diese Entwicklung darauf zurückzuführen sein, dass die Leute wieder mehr unterwegs sind. Schulen und Geschäfte sind wieder geöffnet.

Die Zahl der Corona-Infektionen scheint sich in den letzten Tagen zu stabilisieren. Zurzeit werden im Schnitt pro Tag über 2.000 neue Fälle bestätigt. Und das, obwohl die Bevölkerung ihre Kontakte noch immer stark einschränken sowie Abstands- und Hygieneregeln einhalten muss.  

Wiederanstieg in Flandern

Zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle ist die Zahl der Infektionen in Flandern leicht angestiegen  (Grafik oben). In den Provinzen Ostflandern (-1 Prozent) und Limburg (-11 Prozent) sinken die Zahlen noch, aber in Antwerpen, Flämisch-Brabant (je +3 Prozent) und vor allem Westflandern (+10 Prozent) steigen die Corona-Neuinfektionen wieder an.  

Auffallend: Brüssel verzeichnet einen Rückgang von 19 Prozent. Deutlich rückläufig sind die Zahlen auch in den wallonischen Provinzen Lüttich, Namur und Hennegau. 

Ursache

"Sowohl inländische als auch ausländische Daten zeigen, dass die neuen Corona-Ansteckungen hauptsächlich innerhalb der Familie vorkommen", sagt Steven Van Gucht: “Das Virus muss aber von irgendwoher in die Familie gelangen. Oft liegt es an den engen Kontakten mit anderen Familienmitgliedern, mit Freunden außerhalb des Hauses oder mit Arbeitskollegen". Steven Van Gucht fordert ausdrücklich, Telearbeit so weit wie möglich zu nutzen. 

Mehr unterwegs nach Öffnung der Schulen und Läden

“Die Stabilisierung der Zahl der Corona-Neuinfektionen und der Krankenhauseinweisungen setzt sich fort. Die Zahlen bleiben auf einem Niveau, das zwei bis drei Mal höher ist als die vorgegebenen Schwellenwerte". Van Gucht wies auf im Schnitt pro Tag 800 Infektionen und 75 Einweisungen hin, bevor von einer Lockerung die Rede sein könnte. 

Van Gucht sieht eine Ursache in der Öffnung der Schulen und Läden. Die Mobilität der Bevölkerung hat stetig zugenommen: “Das leiten wir aus den Signalen von Mobiltelefonen ab. (Grafik unten). Eine Zunahme der Mobilität erweist sich oft als ein guter Indikator für eine Zunahme der Infektionen”, so Van Gucht,  der  von  unnötigen  Reisen abrät und Homeoffice empfiehlt.

Starker Anstieg der Infektionszahlen bei den Jüngeren

Bei den 0 bis 10 Jahre alten Kindern ist ein Anstieg der Infektionen von 33 Prozent festzustellen, bei Jugendlichen sogar von 41 Prozent. Zusammen stellen sie heute 14 Prozent der gesamten Infektionen innerhalb der belgischen Bevölkerung dar, vergleichbar mit den Altersgruppen den Zwanzig-, Dreißig- oder Vierzigjährigen.   

Trotzdem seien die Schulen nicht der Epidemiemotor, betonte Van Gucht. Das werde auch von ausländischen Untersuchungen bestätigt. “Das Virus wird schneller von Erwachsenen auf Erwachsene und von Erwachsenen auf Kinder übertragen als von Kindern auf Erwachsene.” Aber natürlich habe die Wiedereröffnung der Schulen eine gewisse Wirkung gehabt, räumte der Sciensano-Virologe ein: Es gehe immerhin um 2 Millionen Kinder und die Wiedereröffnung der Schulen sorge ohnehin für mehr Kontakte, genau wie die Wiedereröffnung der Läden. 

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