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Arbeitsaufsicht will Homeoffice-Pflicht verstärkt kontrollieren

Nachdem sich die Corona-Zahlen stabilisieren und in Flandern sogar wieder steigen, wird nach den Ursachen für diese Entwicklung gesucht. Zum Teil könnten die steigenden Ansteckungen auf Kontakte am Arbeitsplatz zurückzuführen sein. Und das, obwohl die belgische Regierung für alle Bürotätigkeiten Homeoffice verordnet hat. Aber nicht alle Unternehmen nehmen diese Pflicht ernst. 

Der belgische Beschäftigungsminister Pierre-Yves Dermagne (PS) hat die Arbeitsaufsichtsbehörde am Mittwoch gebeten, die Homeoffice-Pflicht in den Betrieben verstärkt zu kontrollieren. Das hat der zuständige Beamte im Beschäftigungsressort, Geert De Poorter, am Donnerstagmorgen gegenüber im Vrt-Radio gesagt: "Indirekte Parameter verraten uns, dass die Leute im Moment weniger Fernarbeit verrichten. Es gibt mehr Staus auf den Straßen, die Zahl der Pendler steigt wieder.“ Die Arbeitsaufsicht will die Homeoffice-Pflicht jetzt strenger überprüfen. 

Seit dem 19. Oktober ist Telearbeit wieder Pflicht. Wer trotzdem im Betrieb ist, muss eine Bescheinigung vorlegen können, dass er dort wirklich gebraucht wird. Der Arbeitgeber muss dies begründen können. Wer von zu Hause arbeiten kann, sollte dies tun dürfen.

Aber den jüngsten Angaben der Telecom-Provider zufolge, sind die Belgier wieder viel mehr unterwegs als zu Beginn des zweiten Lockdowns. 

Bei einer Kontrolle in den Betrieben prüfen die Arbeitsinspektoren nicht nur die Einhaltung der Fernarbeitspflicht, sondern auch die Hygienemaßnahmen und die Abstände zwischen den Arbeitsplätzen. 

Insgesamt hat die Aufsichtsbehörde bis zum 4. Dezember 2020 über 20.400 Unternehmen besucht. 9.477 Unternehmen verstießen gegen die Corona-Vorschriften und 112 mussten den Betrieb einstellen. 

30 Prozent der Angestellten arbeiten von zu Hause aus

Schätzungsweise arbeiten etwa 1 Million der 3,5 Millionen Angestellten in Belgien inzwischen von zu Hause aus. Laut der flämischen Arbeitsministerin Hilde Crevits (CD&V) könnte diese Zahl noch höher sein. "Der letzte Telearbeitsmonitor, den wir haben, zeigt, dass der Anteil der Mitarbeiter im Homeoffice gestiegen ist. Im Oktober waren es 21 Prozent und jetzt sind es 30 Prozent . Aber viele Arbeitgeber glauben immer noch, dass Telearbeit in ihrem Betrieb nicht machbar ist.“ 

Sie fordert daher die Unternehmen auf, die von der flämischen Regierung ausgegebenen Gutscheine zu nutzen, um sich in der Organisation der Fernarbeit coachen zu lassen. 

Baufach, Dienstleistungsbranche und Gastgewerbe tun sich schwer

Die meisten Verstöße gegen die Homeoffice-Pflicht wurden im Baugewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Dienstleistungssektor festgestellt. Personen, die gegen die Maßnahmen verstoßen, können eine Verwarnung erhalten, es können aber auch rechtliche Schritte eingeleitet werden. Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, wird der Betrieb vorübergehend stillgelegt. Mitarbeiter, die sich an ihrem Arbeitsplatz nicht sicher fühlen, können dies auch der Arbeitsaufsichtsbehörde melden. 

Für die Arbeitsaufsichtsbehörde gehen jeden Tag etwa 500 Inspektoren auf Kontrolle. "Zusammen mit unseren Kollegen aus den anderen Inspektionsbereichen sind das etwa tausend Leute, die täglich Kontrollen in den Betrieben vornehmen. Oft lassen wir andere Kontrollen aus und konzentrieren uns  mehr auf die Gesundheitsaspekte am Arbeitsplatz“, so Geert De Poorter. 

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