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Biostatistiker Molenberghs: „Kein eindeutiger Grund dafür, dass die Coronazahlen stagnieren“

Geert Molenberghs (Foto),  Biostatistiker an den Universitäten von Leuven und Hasselt, sagte im Interview mit VRT NWS, dass es keinen eindeutigen Hauptgrund für die Verlangsamung des Rückgangs der Coronazahlen in Belgien gibt. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt seit einigen Tage kaum noch. Professor Molenberghs glaubt, dass eine mögliche Erklärung die Änderung der Teststrategie ist, die Ende letzten Monats in Kraft getreten ist.  "Eine ganze Zeit lang haben wir Menschen ohne Symptome, die einen Hochrisikokontakt hatten, nicht getestet. Dadurch konnte sich die Pandemie zum Beispiel in Pflegeheimen ausbreiten, ohne dass wir das feststellten", so der Biostatistiker. 

Doch das ist sicher nicht der einzige Grund. Auch die Wiedereröffnung der Geschäfte zu Beginn des Monats und die Wiedereröffnung der Schulen nach den verlängerten Herbstferien könnten sich auf die Zahlen ausgewirkt haben. "Die Wiedereröffnung der Schulen bedeutet, dass die Menschen sich mehr bewegen. Wenn die Kinder in der Schule sind, können ihre Eltern wieder mobiler werden und zum Beispiel ins Büro gehen können. In Kombination mit der Wiedereröffnung der Geschäfte kann das zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen". 

Anderswo in Europa sind die Infektionen auf dem Vormarsch. Länder wie Frankreich und Deutschland haben bereits schärfere Maßnahmen angekündigt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

"Es ist sicherlich eine schwierige Zeit in ganz Europa. Es gibt immer mehr Länder, in denen die Zahl der Infektionen zunimmt, und das kann eine Bedrohung für uns darstellen. Es ist also zu unserem Vorteil, dass diese Länder handeln. Die Maßnahmen, die sie ergreifen, sind vergleichbar mit denen hier in Belgien. Denn wir sollten nicht vergessen, was wir bis jetzt schon geleistet haben. Wir gehörten zu den Ländern mit den höchsten Coronazahlen und jetzt sind wir unter den besten sechs Ländern. Hoffen wir, dass die Talfahrt bald wieder weitergeht", so Professor Molenberghs weiter.

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