75 Prozent der Belgier wollen Corona-Maßnahmen über Weihnachten befolgen, “aber Mutlosigkeit wächst”

Dem Motivationsbarometer der Universität Gent (UGent) zufolge sind 75 Prozent der Belgier bereit, die Corona-Maßnahmen über Weihnachten zu befolgen. Ende November war die Gruppe der Maßnahmenverweigerer noch größer. Aber die Mutlosigkeit wächst, stellt Motivationspsychologe Maarten Vansteenkiste fest. 

Das geht aus dem aktuellen Motivationsbarometer hervor, das auf einer Befragung von 24.290 Personen beruht. 16 Prozent der Befragten wollen die Regeln ignorieren und 10 Prozent zögert. "Die Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten, steigt”, sagt Vansteenkiste, "aber gleichzeitg werden die Leute mutloser.” 

Ende November waren über 30 Prozent der Befragten nicht bereit, ihre sozialen Kontakte an Weihnachten einzuschränken und ohne Gäste oder nur mit einer begrenzten Anzahl engen knuffelcontacten zu feiern. "Der besorgniserregende Anstieg der Corona-Zahlen hat das Bewusstsein geschürt", sagen die Forscher der interuniversitären Expertengruppe Corona & Psychologie. "Auch die Androhung verschärfter Kontrollen und Sanktionen könnte eine Rolle spielen." 

"Die Kontakteinschränkungen in der Weihnachts- und Neujahrszeit führen zu einem Gefühl der Mutlosigkeit”, schließen die Forscher aus den Antworten: “Aber wir halten durch, weil wir verstehen, dass es notwendig ist, aber auch, weil wir gezwungen sind”.  

Psychologe Vansteenkiste befürchtet auch, dass der Fokus auf Weihnachten und Silvester die Menschen verleiten kann, in den Tagen dazwischen mehr Kontakte zu pflegen. 

Menschen brauchen in dieser Zeit eine kurzfristige Perspektive

Vansteenkiste fordert die Regierung auf, ganz konkrete Schritte und Ziele zu formulieren. "Um mit der zunehmenden Mutlosigkeit umzugehen, ist es wichtig, dass wir weiterhin verstehen, warum wir unsere Kontakte einschränken und gleichzeitig eine kurzfristige Perspektive bekommen, dass wir klar sehen, was unser Verhalten bringt.” 

Die gute Nachricht über den Beginn der Impfungen eröffnet hauptsächlich eine langfristige Perspektive. 

Ein Gefühl der Verbundenheit und Solidarität bleibt im gemeinsamen Kampf gegen das Virus notwendig. "Für jede Lockdown-Party sollten wir eigentlich acht positive Geschichten erzählen", sagt Vansteenkiste: “Die überwiegende Mehrheit der Bürger hält sich an die Regeln. Es ist wichtig, diese Botschaft zu vermitteln. Es hat eine motivierende und ansteckende Wirkung.” Alle Aufmerksamkeit auf die Verweigerer zu richten sei demotivierend. 

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