Europäische Union und Großbritannien erzielen doch noch ein Handelsabkommen

Viereinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum sind sich die EU-Kommission und die britische Regierung über die künftigen Handelsbeziehungen einig geworden. Der Deal konnte in letzter Minute vereinbart werden, denn am 1. Januar verlässt Großbritannien die Europäische Union. Das Abkommen wird am 1. Januar 2021 in Kraft treten. 

Wären diese Verhandlungen der letzten Chance gescheitert, hätten ab dem 1. Januar Einfuhrzölle auf Waren aus Großbritannien und der EU gegolten und wären aufwendige Kontrollen eingeführt worden.   

Nun haben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Unterhändler Michel Barnier sich mit Boris Johnson und seinem Verhandlungsteam doch noch, kurz vor Fristablauf, einigen können. 

Das EU-Parlament muss dem Brexit-Handelspakt, der 2.000 Seiten umfassen soll, wohl noch zustimmen.  

Wettbewerb, Fischfang und andere Hürden

Die Europäische Union verlangte von Großbritannien faire Wettbewerbsbedingungen und die Einhaltung der strengen Sozial-, Umwelt- und Subventionsnormen. In diesem Punkt haben die Briten nachgegeben. "Wenn Europa die Regeln verschärft, müssen die Briten sie ebenfalls verschärfen, sonst folgen Sanktionen”, erläuterte Professor für Europäische Politik von der UGent, Hendrik Vos. 

Eine schwere Hürde bei den Verhandlungen war der Fischfang und der Zugang der europäischen Fischer zu den britischen Gewässern.  

Im Rahmen des Handelsabkommens soll die EU in den nächsten 5,5 Jahren ein Viertel ihrer Fischereirechte in britischen Gewässern aufgeben.

Für die Fischfangbetriebe in Flandern war besonders ein Punkt wichtig: Wer historische Rechte in britischen Gewässern besitzt, kann in dieser Zeit dort weiter fischen. Aber es würden keine neuen Fischer hinzukommen können. 

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Theoretisch hätten die Briten den europäischen Booten den Zugang verweigern können, “aber das war auch nicht in ihrem Interesse", sagte Hendrik Vos in "De Morgen" auf Radio 1. "Sie können dann zwar ihre Fische fangen, werden sie aber nicht mehr los, da die meisten Exporte nach Europa gehen.” 

Trotz des Handelsabkommens wird der Brexit zu spüren sein. Die Unternehmen müssen wieder Zollformalitäten erledigen und die Zollbeamten Kontrollen durchführen.  Lebensmittel, Tiere und Pflanzen werden ab dem 1. Januar wieder kontrolliert. Die Zollbehörden und das Amt für Lebensmittelsicherheit haben Dutzende neue Mitarbeiter eingestellt. 

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