Einkaufen in Coronazeiten: Belgier kaufen lokaler, müssen aber tiefer in die Tasche greifen

Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Belgien kaufen die Verbraucher vermehrt lokal ein. Sie folgen damit einem Aufruf der Handelsverbände, doch eher in der eigenen Gemeinde oder bei hiesigen Anbietern oder regionalen Geschäften einzukaufen, als bei den großen internationalen Ketten und Gruppen. Aber, die belgischen Verbraucher mussten im Zuge der Coronakrise auch etwas tiefer in die Tasche greifen, denn nicht selten sind hier die Preise für Konsumgüter etwas nach oben gegangen (und geblieben).

Tatsächlich haben die Verbraucher in Belgien seit Ausbruch der Coronakrise, die ja auch eine Wirtschaftskrise darstellt, viel öfter in der eigenen Stadt oder Gemeinde oder im eigenen Land eingekauft. Auch Online-Bestellungen erfolgten wesentlich öfter bei hiesigen Anbietern direkt, als über die bekannten internationalen Branchenriesen.

Das lokales Einkaufen und/oder Shoppen im Trend liegt, zeigte sich aber bereits vor dieser Krise, denn hier stiegen die Umsätze in den Monaten davor um rund 15 %. Jetzt aber ziehen die damit zusammenhängenden Umsätze deutlich an: Onlinehandel im eigenen Land um rund 50 % und im lokalen Einzelhandel vor Ort um 30 bis 40 %. 

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Steigende Preise

Doch leider musste beim Einkauf in Belgien seit dem 2. Quartal 2020 auch etwas tiefer in die Tasche gegriffen werden. Nach Angaben der Preisbeobachtungsstelle des belgischen Wirtschaftsministeriums sind vor allem die Preise für unverarbeitete Lebensmittel, wie Frischfleisch, Obst und Gemüse gestiegen und auch für Fisch und Meeresfrüchte mussten höhere Preise gezahlt werden - Preise, die bis zu 20 % höher lagen, als im vergangenen Jahr.

Günstiger wurden aber vergleichsweise die Preise für Kraft- und Treibstoffe wie Diesel oder Benzin sowie für mobiles Telefonieren.

Die VRT-Wirtschaftsredaktion erklärt dies mit dem zeitweiligen Rabattverbot am Anfang der Coronakrise, das Hamsterkäufe und zu volle Warenhäuser verhindern sollte. Doch dies wurde im Laufe des Sommers wieder zurückgenommen. Doch bei weitem nicht alle Preise sind damals wieder zurückgenommen worden… 

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jaco klamer

Verbraucherverhalten

Dass ein Einkauf in Belgien teurer geworden sein kann, liegt aber auch am Kaufverhalten der Verbraucher selbst. So wurde gerade auch bei den Lebensmitteln öfter zu teureren Produkten gegriffen. Dabei wurde laut VRT-Wirtschaftsredaktion auch Geld ausgegeben, dass sonst in der Gastronomie ausgegeben worden wäre.

Höhere Preise entstanden auch durch gestiegene Funktionskosten in Geschäften, Einkaufszentren oder Supermärkten, denn dort musste zusätzliches Personal eingestellt werden, z.B. aus hygienischen oder organisatorischen Gründen. Auch müssen nicht vorgesehene Investitionskosten wieder erwirtschaftet werden, z.B. die vielen Trennwände aus Plexiglas, angepasste Werbungen, Hinweisschilder, veränderte Infrastruktur. 

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Gewinner und Verlierer

Und auch ein Kundenrückgang und bei nicht wenigen Konsumenten ein gewisses Sparverhalten schlugen bei den Ketten negativ zu Buche.

Von der Krise haben wirtschaftlich gesehen eher die kleinen Einzel- und Fachhändler profitiert bzw. solche Warenhäuser, die viele lokale Produkte im Angebot haben. Eindeutige Verlierer sind die Gastronomen, die mit Take Away oder Bestell- bzw. Abholservice nur einen Teil ihrer Verluste kompensieren konnten. In diesem Zusammenhang profitierten aber die Kurierunternehmen, die Speisen und Getränke von den Restaurants zu den Kunden lieferten. 

Foto: Belga

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