Synagoge in Antwerpen: Polizei beendet Samstagabend Gottesdienst mit 77 Anwesenden

Die 77 Teilnehmer der religiösen Feier wurden nach Hause geschickt. Erwachsene müssen nach Angaben der Polizei mit einem Bußgeld rechnen. Die jüdische Gemeinde ist der Ansicht, dass sie besonders benachteiligt ist, und beruft sich dabei auf ein kürzlich ergangenes Urteil des Staatsrats, dem höchsten Verwaltungsgericht Belgiens. Sie ist der Meinung, dass sie nicht gegen die Corona-Vorschriften verstoßen hat. Nach Informationen aus dem Staatsrat handelt es sich dabei jedoch um eine Fehlinterpretation des Anfang der Woche ergangenen Urteils.

Die Synagoge in der Van Spangenstraat in Antwerpen wurde von 47 Erwachsenen und 30 Kindern besucht. "Die Erwachsenen sind identifiziert worden, damit ein Verfahren in die Wege geleitet werden kann", sagte Polizeisprecher Wouter Bruyns. Die Polizei konnte mit Genehmigung die Synagoge betreten und beendete die Versammlung.

Rechtsanwalt David Braun, der auch Sprecher des Forums jüdischer Organisationen ist, hat kein Verständnis dafür, dass die anwesenden Erwachsenen zu einer Geldstrafe verurteilt werden könnten. Ihm zufolge waren bei den gemeinsamen Gottesdiensten in der Synagoge maximal 15 Gläubige anwesend, wie es in der Entscheidung des Staatsrats Anfang dieser Woche festgelegt wurde. "Jeder möchte sich weiterhin zu seinem Glauben bekennen", sagte Braun.

Am Sabbat gehen viele jüdische Gläubige in die Synagoge. "Am Sabbat wollen so viele Menschen wie möglich ihren Glauben praktizieren, also wird das individuell und nicht kollektiv gemacht", sagt David Braun. Wenn diese einzelnen Gläubigen anderthalb Meter voneinander entfernt stehen und eine Maske tragen, sei alles im Einklang mit den Gesundheitsvorschriften, sagt er.

Die jüdische Gemeinde fühlt sich besonders betroffen und im Visier der Justiz. Laut David Braun ist die Polizei zunehmend proaktiv.

Staatsrat hält Beschränkung von 15 Personen beim Gottesdienst aufrecht

„Es stimmt, dass der Staatsrat den Ministerialerlass über religiöse Feiern abgelehnt hatte, aber es ging um die Anzahl der Teilnehmer", reagierte das Innenministerium. "Im Ministerialdekret war von 5 Personen die Rede, dann wurde es auf 15 angepasst. Der Staatsrat gab seine Zustimmung zu dieser Anpassung. In dieser Woche wandte sich eine Gruppe katholischer Priester erneut an den Staatsrat gegen die Einschränkungen bei der weihnachtliche Mitternachtsmesse, doch ihr Antrag wurde abgelehnt. Und so hat sich nichts geändert: es dürfen maximal 15 Personen bei einem Gottesdienst anwesend sein".

Der Staatsrat selbst reagierte ähnliche Reaktion. "Es sind keine Ausnahmen zulässig“.

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