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Reklame am Brüsseler De Brouckère-Platz zwischen Coca Cola und Ahmadreza Djalali

Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass die traditionsreiche Coca Cola-Werbung am De Brouckère-Platz in Brüssel (Foto) verschwinden soll. Nach Ansicht von Brüssels regionalem Staatssekretär für Städtebau, Pascal Smet (One.brussels/SP.A), ist diese Reklame nicht mehr zeitgemäß. Doch jetzt wird die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dort eine „Vintage“ Cola-Reklame anzubringen. Derzeit wechselt sich das elektronische Coca Cola-Logo an diesem Platz mit einer Solidaritätsbekundung Brüssels für den im Iran zum Tode verurteilten Mediziner und Wissenschaftler Ahmadreza Djalali ab (3 Fotos weiter unten). 

Die Coca Cola-Leuchtreklame auf dem ikonischen Eckgebäude am De Brouckère-Platz in Brüssel - das der Stadt Brüssel gehörende Continental-Gebäude, wo die Boulevards Emile Jacqmin und Adolphe Max beginnen - ist seit langem umstritten und jetzt scheint sich herauszukristallisieren, dass sie verschwinden soll - zumindest in ihrer heutigen Form.

Im Brüsseler Regionalparlament wurde unlängst darüber debattiert, denn Städtebau-Staatssekretär Smet suchte nach Ideen und kreativen Lösungen für das Problem. Drei Möglichkeiten kamen dabei zum Tragen: Die Reklame verschwindet, es entsteht ein leuchtendes Kunstwerk an der Stelle der Leuchtreklame oder aber es wird eine historische Coca Cola-Reklame im Stil der 1950er Jahre dort angebracht.

Offenbar geht die Entscheidung in Richtung „Vintage“-Cola-Reklame. Das hat nicht zuletzt dann doch auch einen finanziellen Grund. Die Stadt Brüssel, notorisch finanziell eher knapp aufgestellt (derzeitiges Finanzloch rund 12. Mio. Euro), kassiert jährlich für diese Werbung 144.000 €…

Solidarisch mit Ahmadreza Djalali

Derzeit wird die Leuchtreklame in Abstimmung mit der Stadt Brüssel, der Brüsseler Hauptstadt-Region und mit Coca Cola wechselseitig genutzt. Dort erscheinen neben der knallroten Cola-Werbung auch Aufrufe zur Freilassung des im Iran in einer Todeszelle sitzenden iranisch-schwedischen Mediziners und Wissenschaftlers Ahmadreza Djalali bzw. zur Solidarität mit diesem, Djalali arbeitete in Brüssel als Notfallmediziner an der Brüsseler Uniklinik (UZ Brussel) und als Gastprofessor an der Freien Universität Brüssel (VUB).

(Lesen Sie bitte unter den 3 Fotos weiter)

Andreas Kockartz/VRT
Andreas Kockartz/VRT
Andreas Kockartz/VRT

Ahmadreza Djalali (Foto unten) wurde zum Tode verurteilt, weil er dem israelischen Geheimdienst Mossad angeblich Informationen über zwei iranische Wissenschaftler weitergegeben haben soll. Die beiden Wissenschaftler wurden danach ermordet. Er soll zudem geheime Details zu Nuklear- und Verteidigungsprogrammen seines Landes westlichen Geheimdiensten zugespielt haben. Der VUB-Gastdozent hatte laut UN-Experten unter Zwang (Folter?) gestanden, die Informationen weitergegeben zu haben.

Seit 2016 in Haft

Im April 2016 wurde Djalali bei einem Besuch in seiner iranischen Heimat verhaftet. Gegen das Urteil protestieren seitdem alle Hochschulen und Universitäten in Belgien, zahlreiche Persönlichkeiten weltweit - darunter einige Nobelpreisträger - sowie hochrangige belgische Bundes- und flämische Landespolitiker. Auch die schwedische Regierung schaltete sich ein, denn Djalali hat neben der iranischen auch die schwedische Staatsangehörigkeit.

Faustpfand?

Inzwischen sind Beobachter, darunter auch Juristen davon überzeugt, dass der Iran Djalali als Faustpfand missbraucht, um einen derzeit in Antwerpen vor Gericht stehenden iranischen Diplomaten/Geheimdienstler „auszulösen“. Diesem wird vorgeworden, vor zwei Jahren von Belgien aus einen Anschlag auf eine Tagung von Exil-Iranern in der Nähe von Paris geplant zu haben, doch die belgische Polizei konnte dies im Rahmen von internationaler Zusammenarbeit vereiteln.

Bei der belgischen Justiz sind derartige „Deals“ nicht üblich und überdies ist Ahmadreza Djalali kein belgischer Staatsbürger. Er hat die iranische und die schwedische Staatsangehörigkeit. Aus belgischen Regierungskreisen verlautete zuletzt dazu lediglich, dass der Rechtsstaat „kein Markt“ sei: „Über unsere rechtsstaatliche Prinzipien gibt es nichts zu verhandeln. Der Prozess betrifft etwas, das keine Kleinigkeit ist, nämlich internationalen Terrorismus.“

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