Im Hafen von Zeebrügge wird ein ruhiger Brexit-Start erwartet

Im Hafen von Zeebrügge, ein Hafen, der für Transporte zwischen der EU und Großbritannien enorm wichtig ist, erwarten alle Beteiligten einen eher ruhigen Start des Brexit. Um Mitternacht tritt der Austritt der Briten aus der Union endgültig in Kraft und dann wird auch hier alles anderes, doch man sei vorbereitet, so Hafen CEO Tom Hautekiet gegenüber VRT NWS. Am Donnerstagmorgen erreichte übrigens die letzte P&O-Fähre aus Hull in Nordengland den Hafen von Zeebrügge. Diese Fährverbindung für den Personenverkehr ist aufgrund von tiefroten Zahlen zum Jahreswechsel eingestellt worden. 

„In den vergangenen Wochen war es sehr hektisch in Zeebrügge, doch in den kommenden Tagen wird das wahrscheinlich halb so schlimm sein“, so Hautekiet. In den letzten Tagen vor dem Brexit haben noch viele Transportunternehmen mit ihren Lastwagen Waren und Güter via Zeebrügge nach Großbritannien gebracht. Hinzu kamen noch LKW, die dem Chaos von Calais entgehen wollten, als Frankreich die Grenze nach England aus Furcht vor der neuen Corona-Virusvariante schloss.

Doch das ist wohl eher glimpflich verlaufen: „Wir haben diese Belastung aber gut durchstanden. Das beruhigt mich für die kommenden Tage. Ein Jahresangang ist sowieso eher eine ruhige Zeit und damit eigentlich ein perfektes Startdatum für den Brexit“, so Hafen-CEO Hautekiet, der weiter angibt, dass man gut vorbereitet sei: „Wir haben alles gut kommuniziert.“

„Wenn alle gut vorbereitet sind, dann wird alles gut gehen“

Das ist für die Transportunternehmen, die mit ihren Lastwagen nach Zeebrügge kommen, um von hier aus mit den Fähren nach Großbritannien zu gelangen, enorm wichtig: „Wenn auch sie sich gut vorbereitet haben, dann wird alles gut gehen.“ Der Hafen von Zeebrügge betreibt einen Brexit-Schalter, an dem geholfen wird, die neuen Zollformalitäten und Einfuhrbedingungen zu erfüllen.

Um eventuellen LKW-Staus zuvorzukommen, hat die Stadt Brügge, zu der Zeebrügge gehört, unweit der Hafenzufahrt und dem CRO-Terminal eine „Brexit-Lane“ angelegt, ein befestigter Streifen entlang der Straße, auf dem Lastwagen warten können. Hier werden auch erste Papiere kontrolliert und Fahrer, deren Formulare nicht in Ordnung sind, können das Hafenareal von dort aus leichter wieder verlassen, um sich über den Minervaplein und die A11 zu den Triageparkings zu begeben, wo ihnen weitergeholfen wird.

Die letzte Fähre aus Hull

Am Donnerstagmorgen ist in Zeebrügge die letzte Fähre aus den britischen Hafen von Hull angekommen. Die „Pride of Bruges“ (Foto unten) sorgte für die letzte Hin- und Rückfahrt der Reederei P&O. Diese hatte vor einigen Monaten beschlossen, diese Linie zu schließen. Durch die Corona-Krise und den Brexit fuhr P&O 2020 auf dieser Verbindung hohe Verluste ein.

Diese letzte Fährverbindung war 46 Jahre lang auch bei Touristen beliebt, sowohl bei den Belgiern, als auch bei den Briten. Man ging Abends in Hull oder Zeebrügge an Bord, aß und schlief auf dem Schiff und konnte am anderen Morgen an seinem jeweiligen Ziel losfahren. Jetzt kann man nur noch von Rotterdam oder von Frankreich aus per Fährdienst nach Großbritannien reisen. Damit gibt es keine Fährverbindung mehr für den Personenverkehr zwischen Belgien und Großbritannien.

Die P&O "Pride of Bruges" (Archivfoto)
Zeebrugge-Hull

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