Probleme durch Quarantänepflicht: Beschäftigte, die im Ausland waren, können 7 Tage lang nicht arbeiten

Die verpflichtete Quarantäne für Rückkehrer aus dem Urlaub bzw. aus einer „Roten Zone“ nach Belgien sorgt am Bau für Probleme, weil sich ausländische Mitarbeiter und Landsleute, die in Ferien gefahren sind, zuerst für 7 Tage in Quarantäne begeben müssen. Auch in anderen Bereichen, wie z.B. der Industrie oder im Bereich Raumpflege müssen Kollegen, die auf Urlaub in ihren Heimatländern waren, in Quarantäne.

Nicht auf allen Baustellen in Belgien konnte an diesem Montag reibungslos an die Arbeit gegangen werden. Viele hiesige Bauunternehmen haben Mitarbeiter aus osteuropäischen Ländern, wie Polen, Bulgarien oder Rumänien in ihrer Belegschaft und viele dieser Arbeiter verbrachten ihre Weihnachtsferien bei ihren Familien in der Heimat. Schätzungsweise 50.000 Bauarbeiter in Belgien sind Ausländer, die zumeist aus Osteuropa kommen.

„Wir hatten unsere eigenen Mitarbeiter darum gebeten, nicht ins Ausland zu fahren und sie haben sich daran gehalten, doch bei unseren Subunternehmen sind Leute nach Polen oder Bulgarien gefahren“, so ein Bauunternehmer aus Herentals gegenüber dem VRT-Sender Radio 2/Antwerpen. Dieser Unternehmer kann nicht alle seine Baustellen wieder aufnehmen sondern muss seine Mitarbeiter an einigen Stellen zusammenkommen lassen, um zumindest an einigen Stellen arbeiten zu können.

Auch die Industrie ist betroffen

Doch das Baufach ist nicht der einzige Sektor, der von der Quarantänepflicht nach Auslandsreisen in Belgien betroffen ist. Auch in der Industrie sind am Montagmorgen nicht alle Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen erschienen, weil sie nach ihrem Auslandsaufenthalt zuerst für 7 Tage in Quarantäne müssen. Das betrifft aber auch Belgier, die in „Roten Zonen“ in Urlaub waren.

Beim Bushersteller VDL in Roeselare in Westflandern stammen rund 40 der etwa 700 Mitarbeiter aus Osteuropa und die meisten von denen waren in den Ferien in ihrer Heimat. Bei VDL ist das Problem etwas größer, da fast alle dieser Osteuropäer in der gleichen Abteilung arbeiten, nämlich bei den Fahrzeug-Elektrikern. VDL-Direktor Peter Wouters hoffte noch am Sonntag, dass die Mitarbeiter seinem Aufruf gefolgt sind, doch bitte in Belgien zu bleiben: „Wir schauen jetzt, wie wir vermeiden können, dass die Produktionslinie ausfällt.“

Saisonarbeiter dürfen an der Porree-Ernte teilnehmen

Einige osteuropäische Erntehelfer und Saisonarbeiter dürfen allergings trotz Quarantäne in Belgien arbeiten (Foto unten). Dabei handelt es sich z.B. um Arbeiter aus Bulgarien, die in Aartrijke in Westflandern bei der Porree-Ernte helfen. Hanne Vulsteke, die dort einen Gemüseanbau betreibt, gibt an, dass ihr Bereich gerade als „essentieller Sektor“ gilt: „Der Porree muss jetzt geerntet werden und unsere bulgarischen Saisonarbeiter dürfen das tun.“ Die Erntehelfer wurden am Montag auf Covid-19 getestet und dürfen hier arbeiten.

Allerdings müssen sie in ihrer Freizeit auf dem Hof bleiben. Sie leben dort in Aufenthalts- und Wohnräumen, die in einer Lagerhalle eingerichtet wurden. „Wir sorgen dafür, dass ihnen an nichts fehlt“, so Vulsteke. Zum nahegelegenen Supermarkt dürfen die Bulgaren während ihrer eigentlich 7-tägigen Quarantäne nicht gehen. Die Sache erfordert allerdings einen hohen Verwaltungsaufwand, denn die eigentlich deutlichen Regeln dazu wurden in den vergangenen Tagen offenbar gehörig angepasst. 

Die Regelungen

Belgien hat zwischen Weihnachten und Neujahr strengere Regeln für Landsleute erlassen, die aus dem Urlaub zurückkehren. Wer aus einer sogenannten „Roten Zone“ zurück nach Belgien kommt, der muss sich testen lassen und sich für 7 Tage in Quarantäne begeben, wenn er sich dort länger als 48 Stunden aufgehalten hat. Tests müssen am 1. sowie am 7. Quarantänetag durchgeführt werden.

Belgiens Regierung und die Gesundheitsbehörden waren aufgeschreckt worden, weil mindestens 100.000 Belgier trotz Corona-Warnungen und Empfehlungen in die Ferien gefahren sind. Angesichts einer ansteckenderen Corona-Virusvariante in Großbritannien sind die Behörden hierzulande sehr besorgt.

Die Porree-Ernte gilt als "essentielle landwirtschaftliche Tätigkeit und deshalb dürfen bulgarische Erntehelfer trotz Quarantänepflicht arbeiten

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