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Ausstellungen in Belgien: Was geht ab? Wo kann besucht werden und wo wird virtuell ausgestellt?

Das neue Jahr steht weiter im Zeichen der Corona-Krise und das bedeutet, dass auch die Kultur weiter zu leiden hat. Allerdings haben die belgischen Behörden am 1. Dezember 2020 einige Lockerungen zugelassen. Das bedeutet unter anderem, dass die Museen und Galerien wieder geöffnet sind. Unter Einhaltung der für diesen Bereich geltenden Corona-Vorschriften sind Besuche wieder möglich. Ausstellungen, die nicht verlängert werden konnten, finden unter Umständen virtuell weiter statt. Der folgende Überblick soll anhand einer Auswahl zeigen, was derzeit in Belgien möglich ist. Dabei drehen sich nicht alle Ausstellungen um Kunst oder Kunstgeschichte… 

"OMG! Van Eyck was here"

Der Stadt Gent ist gelungen, das Themenjahr „OMG! Van Eyck was here“ bis zum 24. Juni 2021 zu verlängern und einen großen Teil des Programms zeitlich zu verschieben. Neben der „7-Senses Tour“, einem Stadtspaziergang auf den Spuren des großen flämischen Meisters, ist die Multimedia-Installation „Lights on Van Eyck“ vor der Genter St.-Bavo-Kathedrale nun noch bis 30. Juni 2021 zu bewundern. Und auch die Ausstellung „Kleureyck - Van Eycks Farben in Design“ im Design-Museum Gent läuft noch bis zum 27. Februar 2021. die einmalige Ausstellung „Van Eyck - An Optical Revolution“ ist leider nur noch virtuell und anhand von Fotos zu sehen. Ein Blick darauf lohnt sich aber nach wie vor. Zudem läuft immer die Street Art-Ausstellung rund um Van Eyck in Gent. Künstler, wie Huyro, Pastel, Isaac Cordal oder Strook und einige andere ließen sich vom Werk des Malerfürsten inspirieren und damit ihrer Kreativität freien Lauf. Überall in Gent sind deren Werke auf Mauern und Wänden zu entdecken.

Alle aktuellen Termine zum Van Eyck-Jahr: www.vaneyckwashere.be und zur Street Art: visit.gent.be/de/van-eyck-street-art 

"The Crystal Ship" - Fresken und Streetart in Ostende

In den letzten Wochen des vergangenen Jahres sind in Ostende wieder zwei Kunstwerke im Rahmen des „The Crystal Ship“-Parcours entstanden. Die Streetart-Künstlerin Helen Bur hat den aus der Hafenmetropole stammenden Rocksänger Arno auf eine Seitenwand des Rathauses der Küstenmetropole gemalt. Der Schauspieler und Künstler Matthias Schoenaerts brachte auf der seitlichen Wand eines Wohnturms im dortigen "Nieuwe Stad"-Viertel ein Fresko, das den umstrittenen früheren König Leopold II. enthauptet auf einem Pferd zeigt. Diese Werke sind Teil von "The Crystal Ship", ein Parcours mit teilweise imposanten Graffitis, Fresken und anderer Streetart in und um Ostende.

Infos: "The Crystal Ship"

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Website The Chrystal Ship

Digital Dinosaurier besuchen

Das Naturwissenschaftliche Museum von Brüssel, besser bekannt als Dinosauriermuseum, bietet mithilfe von Google einen Rundgang durch die permanente Ausstellung an, bei dem die berühmten Dino-Skelette ebenso bewundert werden können, die die von anderen urzeitlichen Tieren. Aber, die sollte nur ein Vorgeschmack sein, denn nichts ist wohl besser, als den Brüsseler Inguanodon „in echt“ zu sehen. Doch das ist ein Vorhaben für die Zeit nach Corona…

Info: https://naturalsciences.be (in englischer Sprache)

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Dinos in Brüssel
Verwendung weltweit, usage worldwide

"Lager Auschwitz": Eine digitale Ausstellung in der Kaserne Dossin

Das Museum Kaserne Dossin, die Deportations-Gedenkstätte am Holocaust-Mahnmal in Mechelen, hat die Ausstellung „Lager Auschwitz“ ins Internet gestellt. Diese Ausstellung erzählt Geschichten, die das gängige Bild unserer Gesellschaft von Auschwitz mit Wachtürmen, Stacheldraht, Massenmord und Leichenbergen übersteigen. Sie zeigt ein Industrieimperium im Rahmen der Kolonisation des europäischen Ostens durch die Nazis, in dem es sowohl zu Zwangsarbeit, als auch zu massenhafter Vernichtung von Leben kam. „Lager Auschwitz“ belegt, dass es sich hier um mehr als „nur“ ein KZ handelte. Corona-bedingt schließen die Kaserne Dossin und die Gedenkstätte auf unbestimmte Zeit, doch inzwischen ist auch hier ein digitaler Besuch möglich geworden.

Info: www.kazernedossin.eu, www.auschwitz.camp

"100 x Kongo" oder die Sammlung kongolesischer Kunst im MAS Antwerpen

Vor rund 100 Jahren wurde die Stadt Antwerpen zum Besitzer einer umfangreichen Sammlung von kongolesischer Kunst und dies mitten in der Kolonialzeit. „100 x Kongo“ rückt 100 Teile dieser Kollektion in den Fokus und stellt sich die Frage nach den Geschichten hinter diesen Kunstwerken. Wie kamen sie hierher? Welche Bedeutung hatten sie für die Völker am Kongo? Wo liegt die Zukunft dieser Sammlung? Mit „100 x Kongo“ hinterfragt Antwerpen sein eigenes Verhältnis zur Kolonialzeit und tritt dabei mit Künstlern und Wissenschaftlern aus Belgien und aus Kongo in den Dialog. Und, das MAS lädt die Besucher dazu ein, sich zu alldem zu äußern und seine Meinung abzugeben. Die Ausstellung ist noch bis zum 28. März zu sehen.

Info: www.mas.be

"Tim Walker: Wonderful Things"

Die beeindruckende Ausstellung 'Tim Walker: Wonderful Things' wurde bis einschließlich Sonntag, 21. Februar 2021, verlängert. Im September 2019 wurde diese verblüffende Ausstellung im Victoria and Albert Museum in London eröffnet. Die Expo ist eine Ode auf den außergewöhnlichen Beitrag, den Walker in den vergangenen 25 Jahren an die Welt der Fotografie  geleistet hat und ist auf der Kollektion des V&A Museum inspiriert. C-mine ist der erste Ort, wo diese Expo während ihrer Welttournee Halt macht. Tim Walker wird als Fotograf weltweit wegen seines extravaganten und romantischen Stils gerühmt. Bereits als er 25 Jahre alt war, veröffentlichte das Magazin Vogue seinen ersten Modeshoot. Die Ausstellung „Tim Walker: Wonderful Things“ wurde im V&A kuratiert von Susanna Brown, in einem Design von Shona Heath, mit der Tim Walker seit eh und je zusammenarbeitet. Sie zeigt rund 150 neue Werke, unter anderem Porträts von Grace Jones, Tilda Swinton und Margaret Atwood und über 100 Fotos von früheren Projekten Walkers, sowie Fragmente aus seinen Super 8 Filmen.

Info: www.c-mine.be

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Tim Walker in der C-Mine

"Kurt Lewy: Towards Abstractions" im Jüdischen Museum in Brüssel

Der Maler, Illustrator und Emailleur Kurt Lewy (1898-1963), ist heute fast in Vergessenheit geraten. Der in Essen geborene Folkwang-Dozent flüchtete vor den Nazis nach Belgien, wo er mit Mühen und nach mehreren Verhaftungen Krieg und Holocaust überlebte. Das Jüdische Museum in Brüssel widmet Lewy jetzt eine umfassende Ausstellung mit Werken aus der eigenen Sammlung, der Antwerpener Galerie Callewaert Vanlangendonck und aus Privatsammlungen. Lewy ist ein typischer Vertreter der Kunst im 20. Jahrhundert und begann im Figurativen, um im Abstrakten zu landen. Das Museum zeigt diese Werkschau in ihren neuen Ausstellungsräumen, die gerade eröffnet wurden. Noch bis zum 7. Februar.

Info: www.mjb-jmb.be

"Be modern - Von Klee bis Tuymans"

Noch bis zum 21. Februar läuft im Brüsseler Museum für Schöne Künste die Ausstellung “Be modern - Von Klee bis Tuymans“. Hier werden rund 150 Gemälde, Skulpturen, Installationen und andere plastische Kunstformen aus der eigenen Sammlung gezeigt. Damit soll die Geschichte der modernen bildenden Kunst skizziert werden. In einer chronologischen Form angelegt bietet sich hier ein Weg durch die moderne Kunst, der anhand eines roten Fadens verfolgt wird. Dieser Leitfaden steht für Freiheit und Experiment. Dabei wird der Focus auf drei Bereiche gelegt: Entwicklung der Farbe und des radikal Abstrakten, Material und Objekte der Konzeptkunst, Kunst in der sich verändernden Welt. Abgerundet wird diese besondere Ausstellung durch eine kleine Übersicht von jüngst erst angekauften Werken, die bisher noch nicht öffentlich gezeigt wurden.

Info: fine-arts-museum.be 

Hangar: 5. PhotoBrussels Festival

„The World Within“, so nennt das Brüsseler Hangar Photo Art Center seine vom 21. Januar bis zum 27. März laufende Ausstellung, die sich mit dem Corona-Jahr 2020 befasst. Hangar hatte europäische Fotografen dazu aufgerufen, Corona mit ihren eigenen Augen und Gefühlen zu dokumentieren. Im Zeitraum des ersten Lockdowns in Belgien (März bis Juni 2020) reagierten mehrere hundert Fotografen darauf uns sendeten Fotos oder Videos ein, aus denen 27 Künstler ausgewählt wurden: Gérome Barry (FR), Marguerite Bornhauser (FR), Ferhat Bouda (AG), Lucile Boiron (FR), Bruno Boudjelal (FR), Sarah Bouillaud (FR), Jean-Marc Caimi & Valentina Piccinni (IT), Julia Fullerton-Batten (DE), Gabriele Galimberti (IT), Gonçalo Fonseca (PT), Nick Hannes (BE), Giovanni Hänninen (IT), Philip Hatcher-Moore (UK), Pierre Jarlan (FR), Kíra Krász (HU), Yann Laubscher (CH), Lucas Leffler (BE), Edgar Martins (PT), Alisa Martynova (RU), Patrick Messina (FR), Alice Pallot (FR), Eléa Jeanne Schmitter & Le Massi (FR/CA), Alexandra Serrano (FR), Frédéric Stucin (FR), Mattia Sugamiele (IT), Simon Vansteenwinckel (BE), Laure Vasconi (FR).

Info: www.hangar.art 

Roy Lichtenstein: "Visions Multiples"

Noch bis zum 7. Februar präsentiert das BAM in Mons (Prov. Hennegau) die erste umfassende Ausstellung zum Werk des amerikanischen Pop Art-Künstlers Roy Lichtenstein. Anhand von Themen, die dem Künstler zu Lebzeigen am Herzen lagen, zeigt die Ausstellung „Multiple Visions“, wie Elemente aus verschiedenen Kulturen in seinem Werk zusammenkommen, um mit dem charakteristischen Pop-Touch seines persönlichen Ausdrucks geprägt werden. Lichtensteins Faszination für „gedruckte Formen“ wird in der Ausstellung durch verschiedene Techniken der Reproduktion eines Werkes dargestellt. Die Ausstellung zeigt seltene Drucke, mehrfarbige Skulpturen, monumentale Wandteppiche und mehr.

Info: www.visitmons.de/veranstaltungen/roy-lichtenstein-visions-multiples

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Pop Art von Roy Lichtenstein

Warhol - Die amerikanische Traumfabrik

„Warhol - The American Dream Factory“ beleuchtet noch bis zum 28. Februar im Lütticher Museum „La Boverie“ die Karriere des Pop Art-Künstlers Andy Warhol, der zu den einflussreichsten seiner Art des 20. Jahrhunderts zählt. Die Ausstellung vereinigt die berühmtesten Werke Warhols aus den größten Museen der Welt und den angesehensten Privatsammlungen, sowie seltene Dokumente, die zum ersten Mal ausgestellt werden19. Anlass genug, ein lebendiges Porträt aus 40 Jahren dieses Amerikas zu zeichnen, dessen Seele der Künstler wie kein anderer seiner Zeitgenossen einzufangen vermochte. Anlass genug, das Herz von „La Boverie“ im Rhythmus der verrückten Nächte von Manhattan schlagen zu lassen, als sich Musiker, Dichter, Schauspieler und Exzentriker aller Art in der berühmten „Factory“ von Warhol trafen. 

Info: expo-factory.be oder de.laboverie.com

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Andy Warhol in Lüttich

Roger Raveel, eine Retrospektive

Der flämische Maler Roger Raveel (1921-2013) wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Grund genug für den Brüsseler Kulturpalast Bozar ihm und seinem Werk eine Retrospektive zu widmen. Raveel gründete 1948 gemeinsam mit Jan Burssems, Kamiel D’haben und Pierre Vlerick die Künstlergruppe La Relève. Neue technische Entwicklungen boten Raveel einen neuen Blick auf die Wirklichkeit und beeinflussten ihn in seinem Schaffen. Als Maler und Vertreter der so genannten „Neuen Figuration“ wurde er zu einem der wichtigsten Künstler der Nachkriegszeit in Belgien. In seinem Schaffen verband er stets abstrakte und figurative Malerei.            Raveel inspirierte sich nicht nur an den Themen, die ihm der Fortschritt bot. Er bearbeitete in seinem Bildern auch Einflüsse und Dinge des täglichen Lebens. Das konnten ebenso gut die Leute aus seiner Heimat sein aber auch einfache Dinge, wie Quadrate, Spiegel oder Vögel. Das Bozar lässt über verschiedene thematische Kapitel Leben und Werk von Roger Raveel revuepassieren und bietet damit ein umfassendes Bild seiner einmaligen plastischen Vision.

Info: www.bozar.be 

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"Landschaft", Roger Raveel

Und sonst?

In vielen weiteren Museen in Flandern sind tolle Ausstellungen und Sammlungen zu sehen, auch solche, die nicht unbedingt etwas mit Kunst oder Zeitgeist zu tun haben. So zeigt das „Museum des Wallonischen Lebens“ in Lüttich noch bis zum 4. April „Born to ride“, eine Ausstellung zur Geschichte der belgischen Motorradhersteller. In der Autoworld in Brüssel laufen noch bis zum 24. Januar die Ausstellungen „125 Jahre Skoda“ und „100 Jahre Mazda“. Und die Trainworld im alten Bahnhof von Schaarbeek lockt bis zum 21. Februar mit der süßen Ausstellung „Coco Loco“ für die namhafte Chocolatiers Kunstwerke zum Thema Eisenbahn aus Schokolade geschaffen haben. Abschließens sei hier ein virtueller Rundgang durch das Mercator-Museum in Sint-Niklaas empfohlen.

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