AZ Sint-Jan Brugge

Corona-Koordinator fordert Änderung der Impfprioritäten: zuerst das Pflegepersonal, dann die Seniorenheime

Dr. Stefaan Vandecasteele, Corona-Koordinator am AZ Sint-Jan-Krankenhaus in Brügge und zwei Kollegen haben einen offenen Brief an Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) und die politischen Entscheidungsträger geschrieben. Sie fordern, dass das Gesundheitspersonal, das direkten Kontakt zu den Bewohnern von Seniorenheimen und zu Krankenhauspatienten hat, zuerst geimpft werden soll. Und nicht die Bewohner der Senioren- und Pflegeheime, wie es der Impfplan jetzt vorschreibt.

Zuerst sollen also die Bewohner der Senioren- und Pflegeheime getestet werden. Der Vorgang soll voraussichtlich bis Ende Februar dauern. Erst im März würden auch die Ärzte, Krankenpfleger, Sanitäter und andere Mitarbeiter in den Gesundheitsberufen gegen Corona geimpft.  

Dr. Vandecasteele, ein Experte für Infektionskrankheiten, betonte, dass die Bewohner von Pflegeheimen so schnell wie möglich geimpft werden müssen, fügte aber hinzu, dass wegen der Impfstoffknappheit schwierige Entscheidungen zu treffen seien.  

"Die unangenehme Wahrheit ist, dass sich das Virus in Pflegeheimen und Krankenhäusern hartnäckig verbreitet. Dort ist das Gesundheitspersonal selbst der Motor der Epidemie und überträgt das Virus eventuell auf Patienten, sogar wenn alle  Maßnahmen  eingehalten werden”, warnte Dr. Vandecasteele.

"Mitarbeiter des Gesundheitswesens haben ein 3,5 Mal höheres Risiko, mit einer Corona-Infektion in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden. Die Personen in ihrem Haushalt werden doppelt so häufig mit Corona infiziert wie der Durchschnitt."

Darüber hinaus sagte der Corona-Koordinator des Brügger Krankenhauses, dass die Mitarbeiter im Gesundheitswesen erschöpft seien: “Seit einem Jahr arbeiten sie auf Hochtouren. Wegen Corona und Quarantäne sind viele abwesend. Darunter leidet die Qualität der Gesundheitsversorgung seit Monaten.” 

Dr. Vandecasteele befürchtet auch den Ausbruch einer dritten Welle und deren Folgen für Pfleger und Ärzte. "Das Personal, das die Impfungen durchführt, ist oft das Personal, das die Corona-Patienten betreut und die Tests vornimmt. Auch hier herrscht derzeit ein großer Mangel an qualifiziertem Personal." 

 Dr. Vandecasteele weist noch auf ein weiteres Argument hin, das für eine Bevorzugung des medizinischen Personals spricht: "Technisch gesehen ist der Impfstoff von Pfizer ein schwieriger Impfstoff.  Die Mengen sind klein und müssen bei niedrigen Temperaturen richtig gelagert werden. Krankenhäuser und Impfzentren verfügen über die richtige Expertise, um den Impfstoff zu verabreichen." 

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