Mohammed Abrini, ganz rechts, "der Mann mit dem Hut"

Terrorismus: 10 Verdächtige werden für die Morde vom 22. März 2016 vor ein Geschworenengericht gebracht

Zehn von dreizehn Verdächtigen im Verfahren über die terroristischen Anschläge vom 22. März 2016 in Brüssel werden an ein Geschworenengericht verwiesen. Das hat die Ratskammer am Dienstag entschieden. Zu den Verdächtigen gehören Salah Abdeslam und Mohamed Abrini. Die Anklagekammer muss diese Entscheidung wohl noch bekräftigen. 

Die Bundesstaatsanwaltschaft wollte acht Hauptverdächtige wegen 32 terroristischen Morden und 687 versuchten terroristischen Morden vor ein Geschworenengericht stellen. Unter anderem Mohamed Abrini (Foto oben rechts, Foto unten), "der Mann mit dem Hut", dessen Koffer bei dem Attentat auf dem Flughafen nicht explodierte. Aber auch Osama Krayem, der sich in der Metrostation Maalbeek in die Luft sprengen wollte, bevor er es sich anders überlegte. 

Darüber hinaus müssen auch die sechs anderen Hauptverdächtigen - Sofien Ayari, Ali El Haddad Asufi, Bilal El Makhoukhi, Hervé Bayingana Muhirwa und Salah Abdeslam sich vor dem Geschworenengericht verantworten. Der mutmaßliche Drahtzieher hinter den Anschlägen, Oussama Atar, soll inzwischen in Syrien gestorben sein, wird aber auch genannt.  

Zwei Brüder

Aber die Ratskammer geht noch einen Schritt weiter als die ursprüngliche Forderung der Staatsanwaltschaft. Letztere hatte die Überweisung der Brüder Farisi an ein Strafgericht beantragt. Der Anklagegrund lautete Mitgliedschaft in einer Terrororganisation. Die Brüder waren nicht direkt an den Anschlägen beteiligt, vermieteten aber Räume an die Terroristen. Die Ratskammer ist der Staatsanwaltschaft aber nicht gefolgt, sondern forderte auch für die Farisi-Brüder einen Prozess vor dem Assisenhof. 

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Von einer Wohnung in diesem Haus in Schaarbeek brachen die Terroristen auf, um einen Anschlag in Zaventem zu verüben.
AP 2016

Drei weitere Personen wurden von der Ratskammer freigesprochen, da es keine Beweise für eine Mittäterschaft gab. Das gilt u. a. für den Mann, der fälschlicherweise als Mohamed Abrini, "der Mann mit dem Hut", angesehen wurde. 

Die drei Terroristen, die sich an diesem Tag in die Luft sprengten, Najim Laachraoui sowie Ibrahim und Khalid El Bakraoui, gehören nicht mehr zu den Verdächtigen. 

Mit der Überweisung der zehn Verdächtigen an ein Geschworenengericht scheint ein Prozess mit einer Volksjury nicht mehr abzuwenden.  

Im Vorfeld muss die Anklagekammer die Überweisung noch prüfen und die Verdächtigen offiziell "anklagen". Das Urteil der Anklagekammer wird frühestens in ein paar Monaten erwartet. 

Bei den Anschlägen vom 22. März 2016 auf Brussels Airport und in der Metrostation Maalbeek starben insgesamt 32 Menschen. Der Anschlag wurde rund fünf Monate nach den Anschlägen vom 13. November 2015 in Paris von demselben IS-Terroristen-Netzwerk verübt. 

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