Soll der Winterschlussverkauf in Belgien bis Mitte Februar verlängert werden?

Die verschiedenen Arbeitgeber- und Sektorverbände in Belgien würden sich in diesen wirtschaftlich schwierigen Corona-Zeiten eine Verlängerung des Winterschlussverkaufs wünschen. Der WSV begann dieses Jahr nicht am ersten Januar-Wochenende sondern erst am Montag danach, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Nicht nur dadurch begann der Ausverkauf, der vor allem für den Einzelhandel und den Mittelstand wichtig ist, in unserem Land eher träge.

In Antwerpen zum Beispiel meldeten die kleinen Boutiquen und andere selbständige Läden am Montag nach der ersten WSV-Woche einen Umsatzrückgang 40 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Nico Volckeryck vom Selbständigen- und Einzelhandelsverband NSZ sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Normalerweise muss die erste Woche ein Knaller sein und danach geht es etwas zurück. Auch der Sommerschlussverkauf im August war schon kein großer Erfolg.“

„Wir müssen als Modestadt auch das internationale Publikum haben, doch das haben wir verloren,“ sagt der NSZ-Antwerpen-Sprecher: „Niederländer und Deutsche kommen hier normalerweise für ein totales Einkaufserlebnis her. Sie buchen ein Hotel, gehen essen und ins Museum, doch viele dieser Dinge sind gerade nicht möglich, also bleiben wie weg…“

Das NSZ fordert, dass die Menschen wieder in ihrer „Corona-Bubbel“ einkaufen gehen dürfen, denn derzeit darf nur jeweils eine Person pro Haushalt ein Geschäft betreten. Der Rest der Familie muss draußen warten, doch der Einzelhandel vermisst im Bekleidungsbereich vor allem die Männer, die offenbar nicht unbedingt gerne alleine Klamotten kaufen wollen…

Wir müssen als Modestadt auch das internationale Publikum haben, doch das haben wir verloren. Niederländer und Deutsche kommen hier normalerweise für ein totales Einkaufserlebnis her. Sie buchen ein Hotel, gehen essen und ins Museum, doch viele dieser Dinge sind gerade nicht möglich, also bleiben wie weg…“ 

Nico Volckeryck, Einzelhandelsverband NSZ Antwerpen

Der Winter- und der Sommerschlussverkauf sind in Belgien seit vielen Jahren an recht strenge Regeln und Zeiten gebunden, um Wettbewerbsverzerrung und unerlaubter Konkurrenz zu entgehen. Um einen SSV oder einen WSV zu verändern, muss das entsprechende Gesetz angepasst werden und darüber kann nur die Erste Kammer im belgischen Bundesparlament entscheiden.

Dennis Ducarme von den frankophonen Liberalen MR, Abgeordneter im belgischen Bundesparlament und ehemaliger belgischer Mittelstandsminister, hat einen dahingehenden Gesetzesvorschlag und einen dazugehörenden Eilantrag eingereicht.

In Lüttich sagten dazu von der frankophonen Sonntagszeitung 7 Dimanche dazu befragte Einzelhändler, dass die dies grundsätzlich kleine schlechte Idee finden, doch dass auch nach dem Ausverkauf noch Möglichkeiten bestehen würden, Ware günstig an die Frau oder den Mann abzugeben, z.B. über Koppelverkäufe wie 3 Artikel zum Preis von 2 Artikeln. Die durch Corona eingefahrenen Verluste hingegen können so kaum deutlich aufgefangen werden, so die Einzelhändler. 

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