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Virologe Steven Van Gucht: "2020 war eines der tödlichsten Jahre"

Nach Ansicht von Virologe Steven Van Gucht (Foto), Leiter des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano, ist 2020 ein sehr tödliches Jahr in Belgien gewesen: „2020 war eines der tödlichsten Jahre seit der Spanischen Grippe im Jahr 1918.“ Van Gucht sagte dies am Dienstag im Rahmen des Pressebriefings von Sciensano zu den aktuellen Corona-Zahlen in Belgien.

„Der Höhepunkt der Zahl der Sterbefälle in dieser zweiten Welle liegt niedriger als die der ersten Welle. Doch weil die Zahl der Sterbefälle nur langsam sinkt, ist diese zweite Welle letztendlich doch tödlicher“, so Van Gucht. Am vergangenen Sonntag wurde in Belgien die traurige Marke von 20.000 Corona-Toten überschritten. Inzwischen steht der offizielle Zähler bei 20.122 Covid-19-Todesopfern und aktuell sterben täglich rund 53 Personen an den Folgen dieses Virus. 

Die Lage bleibt fragil und ein Aufflackern in den kommenden Wochen ist sicher möglich.“

Virologe Steven Van Gucht

„Die Lage bleibt fragil und ein Aufflackern in den kommenden Wochen ist sicher möglich,“ so Van Gucht zu den steigenden Ansteckungs- und Testzahlen. Allerdings stellt er auch fest, dass die Zahl der Infizierungen der vergangenen Woche noch immer niedriger liegt, als in den Wochen vor den Weihnachtsferien: „Eine Zunahme der Ansteckungen sehen wir bei allen Altersklassen, aber es ist am deutlichsten bei den Teens und den jungen Erwachsenen zwischen 20 und 40 Jahren, aber auch bei den über 90-Jährigen. In der Altersklasse der 20 bis 30-Jährigen sehen wir die meisten Ansteckungen.“

Die Zunahme zeigt sich in Brüssel am stärksten in den Stadtteilen Etterbeek und Elsene, Gemeinden, in denen eine sehr internationale Gesellschaft lebt und in der viele Reiserückkehrer wohnen.“

Virologe Steven Van Gucht

Die steigenden Infizierungszahlen sind in allen Provinzen Belgiens spürbar, doch die Entwicklung ist deutlich unterschiedlich, so Van Gucht. In der Provinz Luxemburg beträgt der Anstieg aktuell 2 %, in der Region Brüssel-Hauptstadt hingegen 94 %: „In Brüssel ist dies fast eine Verdoppelung auf Wochenbasis. Diese Zunahme beobachten wir hier bei den jungen Erwachsenen zwischen 20 und 40 Jahren und sie zeigt sich am stärksten in den Stadtteilen Etterbeek und Elsene, Gemeinden, in denen eine sehr internationale Gesellschaft lebt und in der viele Reiserückkehrer wohnen.“ 

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