"Finden Sie, dass ich Sie Umvolke?" - Heftige Kritik gegen Vlaams Belang

Belgiens Staatssekretär für Asyl und Einwanderung Sammy Mahdi (CD&V - Foto) ärgert sich maßlos über Berichte des rechtsradikalen Partei Vlaams Belang in Zusammenhang mit der statistischen Feststellung, das rund ein Drittel der belgischen Bevölkerung ausländische Wurzeln hat. Bei Vlaams Belang heißt es in den sozialen Netzwerken: „Stoppt die Umvolkung!“ Mahdi, selbst ausländischer Herkunft, stellte in der VRT-Talksendung „De afsprak“ („Die Verabredung“) die Frage: „Finden Sie, dass ich Sie Umvolke?“

Anfang 2021 waren 67,9 % von allen, die in Belgien wohnen, Belgier mit einem belgischen Hintergrund, sprich die Betroffenen und deren beide Eltern haben oder hatten bei der Einschreibung ins Bevölkerungsregister unseres Landes die belgische Nationalität. Das bedeutet aber auch, dass rund ein Drittel aller Einwohner unseres Landes dem nicht entspricht: 12,4 % aller derzeit in Belgien lebenden Menschen hat laut dem statistischen Institut Statbel eine ausländische Staatsangehörigkeit und 19,7 % haben eine ausländische Herkunft. Das betrifft rund 3,7 Millionen Einwohner in Belgien.

Weil mein Vater vor 40 Jahren meine Mutter gerne hatte, bin ich offenbar Teil der ‚Umvolkung‘. Das zu lesen ist Schmerzhaft.“

Sammy Mahdi, christdemokratischer Staatssekretär für Asyl und Einwanderung

Dazu heißt es beim rechtsradikalen Vlaams Belang auf Twitter und Facebook, dass man angesichts dieser Entwicklung von „Umvolkung“ sprechen kann, die man stoppen müsse. Mahdi, ein flämischer Christdemokrat (CD&V), ist regelrecht der Kragen geplatzt und er antwortete dem Vlaams Belang-Vorsitzenden Tom Van Grieken folgendes: „Weil mein Vater vor 40 Jahren meine Mutter gerne hatte, bin ich offenbar Teil der „Umvolkung“. Das zu lesen ist Schmerzhaft.“ Mahdis Vater ist vor 40 Jahren aus dem Irak nach Belgien gekommen.

Es gibt Leute, die Angst davor haben aber ich weiß nicht, ob diese Leute auch vor mir Angst haben. Ich bin Teil dieser Statistiken. Ich will mal offen die Frage stellen: Haben sie Angst vor mir?“

Sammy Mahdi, christdemokratischer Staatssekretär für Asyl und Einwanderung

Der Staatssekretär für Asyl und Einwanderung sagte am Mittwoch bei „De afsprak“, dass er schon Verständnis dafür habe, das sich Bürger in Belgien unsicher fühlen, doch von der Art und Weise, wie einige Parteien ohne Nuance mit den entsprechenden Zahlen umgehen, hält er gar nichts, im Gegenteil: „Es gibt Leute, die Angst davor haben aber ich weiß nicht, ob diese Leute auch vor mir Angst haben. Ich bin Teil dieser Statistiken. Ich will mal offen die Frage stellen: Haben sie Angst vor mir?“ Er sei die Frucht der Liebe zwischen seinem Vater und seiner Mutter: „Ich hätte gerne, dass diese Liebe nicht als ein verrotteter Apfel angesehen wird. Das ist leider dass, was heute hier passiert.“

Ich bin die Frucht der Liebe zwischen meinem Vater und meiner Mutter. Ich hätte gerne, dass diese Liebe nicht als ein verrotteter Apfel angesehen wird. Das ist leider dass, was heute hier passiert.“

Sammy Mahdi, christdemokratischer Staatssekretär für Asyl und Einwanderung

Das ein Abgeordneter und Parteivorsitzender wie Vlaams Belang-Präsident Tom Van Grieken davon redet, dass man in Flandern „umgevolkt“ wird, findet Mahdi erschreckend: „Es ist schon so, dass einige Leute ab und zu für Probleme in der Gesellschaft sorgen und gegen die muss man vorgehen. Doch das ist eine Frage der Integration und der Frage, wie man das Thema Einwanderung vernünftig angeht. Ich bin der Überzeugung, dass Leute keine Probleme mehr machen, wenn man sie auf die richtige Art und Weise integriert.“ 

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