Seit sechs Tagen steigt die Zahl der Corona-Ansteckungen in Belgien - Südafrikanische Mutation festgestellt

Auch an diesem Donnerstag zeigt die aktuelle Corona-Statistik des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamts Sciensano für Belgien eine steigende Zahl der Ansteckungen. Dies ist seit sechs Tagen schon der Fall. Allerdings werden seit dem Ende der Weihnachtsferien wesentlich mehr Tests durchgeführt. Inzwischen tauchen auch die Virus-Mutationen aus Großbritannien und aus Südafrika in Belgien auf. Zu Grenzschließungen soll es aber nicht kommen, doch die Kontrollen bei der Einreise sollen strenger werden.

Zwischen dem 4. und dem 10. Januar wurden pro Tag in Belgien durchschnittlich 2.083 neue Ansteckungen mit dem Corona-Virus Covid-19 registriert. Das ist ein Anstieg um 28 % gegenüber der Vorwoche. Insgesamt haben sich in unserem Land seit Ausbruch der Pandemie schon mehr als 670.000 Personen mit dem Virus infiziert.

Im gleichen Zeitraum wurden täglich im Schnitt rund 43.700 Tests durchgeführt, was einem Anstieg um 69 % entspricht. Die Positivitätsrate lag dabei bei 5,4 %. Das bedeutet, dass derzeit etwa 5 von 100 getesteten Personen einen positiven Corona-Test ablegen.

Weniger Krankenhaus-Einlieferungen und Sterbefälle

Im Zeitraum 7. bis 13. Januar wurden täglich durchschnittlich 125 Corona-Patienten in ein Krankenhaus eingeliefert. Das ist ein Rückgang um 4 % - auch hier verläuft der Rückgang inzwischen langsamer. Am Mittwoch (13. Januar) wurden 144 neue Patienten aufgenommen und gleichzeitig 170 entlassen. Derzeit liegen 1.937 Corona-Patienten in Krankenhäusern. 360 davon werden intensiv behandelt und 184 dieser Intensiv-Patienten müssen künstlich beatmet werden.

Die Zahl der Sterbefälle nach einer Corona-Erkrankung sinkt weiter. In der Woche von 4. bis zum 10. Januar starben pro Tag etwa 53 Patienten an den Folgen dieses Virus. Das sind 19 % weniger Sterbefälle als in der Woche davor. Bisher forderte Covid-19 in Belgien 20.250 Todesopfer.

Virus-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika

Inzwischen wurden auch die ersten Corona-Virusmutationen in Belgien entdeckt. Die Zahl der bei Personen in Belgien festgestellten Infizierungen mit der ansteckenderen Variante des Coronavirus aus Großbritannien ist um 8 Fälle gestiegen. Davor waren 6 solcher Fälle registriert worden.

Am Donnerstagnachmittag gaben Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) und der Antwerpener Mikrobiologe Herman Goossens (UAntwerpen) an, dass weitere 8 Virusherde mit der britischen Variante entdeckt wurden. Das betrifft 18 Personen. Auffallend, so der Minister sei, dass bei drei dieser Herde keinerlei Links zu Auslandsreisen vorliegen würden.

In den anderen Fällen hatte es vorher Reisen in den Libanon, in die Schweiz, nach Dubai und nach Großbritannien gegeben: „Die Variante zirkuliert also auch in Belgien und hängt nicht immer mit Reisen zusammen. (…) Das bereitet uns Sorgen, denn wir werden mit einer neuen Gefahr konfrontiert.“ 

Aber, es gibt auch einen ersten Fall einer Ansteckung mit der Virusvariante aus Südafrika, die ebenfalls ansteckender ist, als die „herkömmliche“ Version. Marc Van Ranst, Virologe an der Universität von Löwen (KU Leuven), sagte dazu, dass die britische Variante auch bei uns auf dem Vormarsch sei: „Seit Ende 2020 wächst die Zahl solcher Fälle, genauso, wie in anderen Ländern. Dies ist aber auch der Fall bei Personen, die nicht verreist sind.“

Grenzen dicht?

Dies ist auch der Fall bei einer Patientin aus Westflandern, bei der zum ersten Mal in Belgien die südafrikanische Mutation festgestellt wurde. Diese Frau hat keine Reisevorgeschichte: „Es bereitet jedem Sorgen, dass Varianten zirkulieren, auch wenn man bedenkt, dass diese ansteckender sind. Das ist nicht unerwartet, aber die Möglichkeiten, die wir momentan haben, um sie draußen zu halten, sind eigentlich unzureichend.“

Die britische Variante sei noch nicht dominant, so Van Ranst, doch es muss etwas unternommen werden: „Wir müssen dafür sorgen, dass auch Personen, die weniger als 48 Stunden lang im Ausland gewesen sind, getestet und in Quarantäne geschickt werden.“ Die Grenzen würde der Virologe nicht schließen wollen, doch er fordert strengere Kontrollen. Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) sagte am Mittwochabend gegenüber VRT NWS, dass es vorerst keine Grenzschließungen geben wird: „Das ist das allerletzte Mittel.“

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