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Ineos verschiebt ein Multi-Milliarden-Euro-Projekt im Hafen von Antwerpen teilweise

Der britische Chemiekonzern Ineos wird das Bauprojekt einer Propan-Dehydrierungsanlage (PDH) in Antwerpen verschieben, um seiner dortigen Ethan-Cracker-Aanlage Vorrang zu geben, bestätigte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Meldung des MO* Magazins. Der Zeitplan des im Hafen von Antwerpen geplanten Projekts mit dem Namen "Project One" wird somit überarbeitet, um der gestiegenen Nachfrage des europäischen Marktes nach bestimmten chemischen Rohstoffen gerecht zu werden. 

Das Projekt ist die größte Investitionssumme in die europäische Chemieindustrie seit 20 Jahren und bestätigt Flandern als eine der führenden Chemieregionen und der Hafen Antwerpen der größte Chemiecluster in Europa. Es wird jedoch von Klimaaktivisten kritisiert, weil für den Bau der beiden Kunststoffproduktionsanlagen 49 Hektar Wald abgeholzt werden müssen.

„Project One" im Hafen von Antwerpen besteht aus dem Bau einer brandneuen Propan-Dehydrierungsanlage (PDH) und einen Ethan-Cracker in Antwerpen. Diese werden benötigt, um Propan beziehungsweise Ethan in Propylen und Ethylen umzuwandeln. Das sind Rohstoffe für chemische Produkte, die in einer Vielzahl von Branchen wie Automobil, Bau, Bekleidung, Kosmetik und Körperpflege, Pharmazie, Elektronik und Verpackungsmaterialien eingesetzt werden.

Die ursprünglichen Pläne sahen den gleichzeitigen Bau dieser beiden Anlagen vor, aber der Petrochemie-Riese entschied sich, stattdessen der Ethan-Cracker-Anlage den Vorrang zu geben. Das andere Projekt wird vorerst verschoben.

Verschiebung keine Folge der Proteste von Umweltschützern

Laut Sprecherin Nathalie Meert ist diese Überarbeitung der Pläne auf die gestiegene Nachfrage nach Ethylen auf dem europäischen Markt zurückzuführen, wobei ein jährliches Wachstum von 4 % in den nächsten fünf Jahren erwartet wird. Der Zugang zu Propylen ist etwas einfacher.

Auch ohne die PDH-Anlage wird der Bau der Ethylen-Produktionsanlage voraussichtlich mehr als drei Milliarden Euro kosten, die größte Investition in der europäischen Chemie der letzten 25 Jahre, so Ineos.

Diese Investition wird es dem Unternehmen ermöglichen, Ethylen selbst herzustellen, anstatt es zu importieren. Laut der Sprecherin steht die Verschiebung nicht im Zusammenhang mit Protesten von Klimaaktivisten im vergangenen Oktober.

Im Dezember legten 14 Umweltorganisationen Einspruch gegen die für das Projekt erteilte Umweltgenehmigung ein. Das Verfahren zur Erlangung der Genehmigung ist daher noch im Gange und wird durch diese Überarbeitung der Pläne angepasst. Ineos weiß nicht, wann es mit den Bauarbeiten beginnen kann.

Die Fertigstellung eines Projekts dieser Größenordnung dauert in der Regel vier bis fünf Jahre. Entsprechend sollen die erste neue Produktionsanlage bis 2024 in Betrieb gehen. Nach der Inbetriebnahme schaffen die beiden Anlagen 400 direkte Vollzeitarbeitsplätze sowie das Fünffache an indirekten Arbeitsplätzen. Während der Bauphase werden rund 3.000 Menschen beschäftigt sein.

Bei der Präsentation der Investitionspläne erklärte Jim Ratcliffe, CEO und Chairman von Ineos, 2019: „Unsere Investition in eine erstklassige Ethan-Cracker- und PDH-Anlage ist die größte ihrer Art in Europa seit mehr als einer Generation. Als solche ist es eine wichtige Entwicklung für die europäische petrochemische Industrie. Wir sind davon überzeugt, dass diese Investition den rückläufigen Trend der vergangenen Jahre in der europäischen Chemieindustrie umkehren kann.“

Hans Casier, CEO von Ineos Phenol und Vorsitzender von essenscia (Verband der Chemie- und Life-Science-Industrie): „Dass Antwerpen als Standort für diese Investition gewählt wurde, ist ein bedeutender neuer Impuls für die internationale Wettbewerbsposition des bestehenden Chemieclusters. Dies ist ein großer Erfolg nicht nur für die chemische Industrie im Hafen, sondern auch für die Wirtschaft Flanderns, Belgiens und nicht zuletzt für ganz Europa.“

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