Nach Krawallen um dem Tod eines jungen Afrikaners: "Brüsseler Panter" schreiben König Philippe einen Brief

Die antirassistische Organisation „Brüsseler Panter“ hat König Philippe einen Brief geschrieben, der in Zusammenhang mit der gewalttätig geendeten Demonstration zum Gedenken an den vor rund einer Woche nach einer Polizei-Intervention in Brüssel-Nord gestorbenen 23 Jahre alten Ibrahima steht. In dem Schreiben versuchen die Aktivisten zu erklären, wo die Wut der Brüsseler Jugendlichen überhaupt herkommt.

Das Kollektiv „Brüsseler Panter“, dass sich dem Kampf gegen Rassismus in der belgischen Hauptstadt verschrieben hat, sieht sich dazu genötigt, dem belgischen König einen Brief zu schreiben. Offenbar ist ein königlicher Konvoi auf der nahegelegenen Koningslaan von randalierenden Jugendlichen im Rahmen der Demonstration für Ibrahima, die zunächst friedlich verlaufen ist, angegriffen worden, auch wenn nicht klar ist, ob König Philippe in einem der betroffenen Wagen gesessen hat, wie die niederländisch-sprachige Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ meldet.

Nach Angaben der frankophonen Brüsseler Regionalzeitung La Capitale schreiben die „Brüsseler Panter“, dass sie sich große Sorgen angesichts der Polizeigewalt in der belgischen Hauptstadt machen: „Sire, wenn Sie mir erlauben, Ihnen zu schreiben, ist das Drama (um den Tod von Ibrahima (Red.)) kein Einzelfall. Wenn ein schwarzer oder ein arabischer Jugendlicher stirbt, ist das kein Unglück.“

„Sie wohnen selbst im Norden von Brüssel (im Brüsseler Stadtteil Laken (Red.)), wo Polizeigewalt Teil der Realität von Brüsseler Jugendlichen aus der postkolonialen Einwanderung ist.“, so das Schreiben, aus dem La Capitale zitiert. Die „Brüsseler Panter“ wünschen sich einen Ort des Gedenkens für die jugendlichen Opfer von Polizeigewalt in Brüssel.

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Totschlag

Inzwischen ruft die Familie des gestorbenen Jugendlichen zur Ruhe auf. Sie bedankt sich bei den vielen Menschen, die am vergangenen Mittwoch friedlich für ihren Sohn demonstriert haben. Aber, sie verurteilt die Gewaltausbrüche, zu denen es nach der Veranstaltung gekommen ist. Dabei wurden auch Polizisten verletzt, denen Ibrahimas Angehörige eine gute Genesung wünschen.

Die Brüsseler Staatsanwaltschaft ermittelt unterdessen in diesem Fall wegen Totschlag. Der Anwalt der Familie von Ibrahima führt an, dass Polizisten den auf der Wache beim Verhör zusammengebrochenen 23-Jährigen zunächst einige Minuten lang haben liegen lassen, bevor sie einen Notarzt gerufen haben. Der junge Mann war kurz darauf in einem Krankenhaus an Herzversagen gestorben. Der Anwalt führt hier an, dass wertvolle Zeit verloren gegangen sei, um das Leben des jungen Mannes retten zu können.

Laut Autopsiebericht hatte der junge Mann einen angeborenen Herzfehler. Drogen sind nach einer toxikologischen Untersuchung in Rahmen der Autopsie nicht im Spiel gewesen. Der 23-Jährige Ibrahima war am Samstag vor einer Woche im Rahmen einer Corona-Kontrolle festgenommen worden, als er von einer Polizeistreife in einer viel zu großen Gruppe Jugendlicher erwischt wurde. Er war zunächst weggelaufen, wurde aber von Polizisten geschnappt. 

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