ZU_09

Drei vermeintliche Hexen werden von der Stadt Lier nach mehr als 430 Jahren rehabilitiert

Heute wird der Stadtrat von Lier (Provinz Antwerpen) symbolisch die Ehre von drei vermeintlichen Hexen wiederherstellen. Die drei Frauen wurden 1590 schwer gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen. Eine von ihnen wurde, heute vor genau 431 Jahren, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ein Gedenkstein auf dem Marktplatz erinnert an die Hexenverbrennung. Die Bitte, die Ehre dieser Frauen wiederherzustellen, kam von einem lokalen Geschichtsverein. "Inzwischen sind vier Verwandte der Frauen aufgetaucht", sagte Stadtrat Rik Verwaest (N-VA) im regionalen Rundfunk. 

Am Ende des 16. Jahrhunderts wurden Anneken Faes Brosis, Anna Cops und Cathelyne Van den Bulcke aus Lier der Hexerei beschuldigt. 

"Es war eine sehr dunkle Zeit damals. Der Klimawandel verursachte Missernten und neue Krankheiten. Vielleicht kann man Parallelen zur Gegenwart ziehen", sagte Stadtrat Rik Verwaest (N-VA) in "Start Your Day" auf Radio 2 Antwerpen. "Man suchte Sündenböcke für unerklärliche Dinge. Anneken Faes war eine dieser vermeintlich Schuldigen. Anneken Faes lebte am Rande der damaligen Gesellschaft und litt vermutlich an Autismus. Sie wurde der Hexerei beschuldigt." 

Das Mädchen war erst 14 Jahre alt. Sie wurde gefoltert und gezwungen zu sagen, wer die anderen Hexen waren. "Sie hat dann Anna Cops und insbesondere Cathelyne Van den Bulcke denunziert." 

RTV

Nur Cathelyne Van den Bulcke wurde am Ende auf dem Scheiterhaufen verbrannt. “Eine tragische Geschichte”, so der Stadtrat: "Wie die beiden anderen Frauen gesteht auch sie unter der Folter, aber im Gegensatz zu den anderen beiden nennt sie keine Namen. Das ist durchaus bemerkenswert. In den meisten anderen Hexenprozessen kam es unter der Folter zu einer Art Domino-Effekt und es wurden immer wieder neue Namen preisgegeben. Cathelyne Van den Bulcke aber hat keine Namen genannt. Das ist etwas ganz Besonderes, denn sie wusste, dass sie auf dem Scheiterhaufen landen würde.” 

Mit der Verbrennung der drei Frauen endete die Hexenverfolgung in Lier. Anneken Faes und Anna Cops kamen mit leichten Strafen davon. Cathelyne wurde am 20. Januar 1590 verbrannt. Ein Gedenkstein steht heute auf dem Grote Markt, wo der Scheiterhaufen gebrannt haben soll. 

Visit Lier

Im vergangenen Jahr wandte sich das Komitee "Eer voor Cathelyne", eine Initiative von einigen Leuten aus Lier und Nijlen, an die Stadtverwaltung: Sie fanden den Text auf dem Gedenkstein zu dürftig und noch dazu irreführend, als sei die Strafe gerechtfertigt gewesen. Das Komitee hat die Stadtverwaltung gebeten, eine ausführlichere Erklärung vorzusehen und die Frauen zu rehabilitieren, da das Urteil des damaligen Stadtrats noch immer aktuell ist."  

Rehabilitierungsfeier

Aufgrund der Corona-Maßnahmen findet am Mittwochabend nur eine kleine Rehabilitierungsfeier statt. Aber Bürgermeister und Stadträte werden anwesend sein, zusammen mit einem Vertreter des Komitees und einem Nachfahren von Cathelyne Van den Bulcke. "Es haben sich sogar vier lebende Verwandte der Frauen gemeldet", sagt der Stadtrat. "Heute Abend werden wir erklären, dass die damalige Strafe zu Unrecht verhängt wurde und sowohl Cathelyne als auch die beiden anderen Frauen voll rehabilitiert sind." 

Meist gelesen auf VRT Nachrichten