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Historischer Schriftsetzer aus Genter Museum ist "inspirierendes Beispiel" für industrielles Kulturgut

Das Industriemuseum von Gent ist in die Liste der „inspirierenden Beispiele“ für die Erhaltung und Bewahrung von industriellem Kulturgut in Flandern aufgenommen worden. Das Museum belege mit einem Schriftsetzer, einem sogenannten Monotype, wie man seltene grafische Maschinen für die Druckindustrie erhalten und vorführen kann.

Das Industriemuseum von Gent (IM) befindet sich in einer alten Textilfabrik, doch die Geschichte der Druckindustrie ist neben dem Textilbereich dort der zweite wichtige Schwerpunkt der Sammlung und der permanenten Ausstellung. Flandern wählt und prämiert seit einiger Zeit jedes Jahr kulturhistorische Einrichtungen, die als besonders „inspirierende Beispiele“ dienen können, um eben industrielles und maschinelles Kulturgut zu erhalten und zu präsentieren.

Dieses Jahr fällt die Wahl auf das IM in Gent und dort im Besonderen auf einen historischen Schriftsetzer, ein grafisches Gerät aus dem Jahr 1887, dass bis in die 1980er Jahre hinein in der Druckindustrie verwendet und benötigt wurde. Neue Techniken und nicht zuletzt das digitale Zeitalter sorgten dafür, dass solche Monotypen überflüssig wurden. Um zu vermeiden, dass solche Maschinen in Vergessenheit geraten, lancierte das Genter Industriemuseum ein Projekt mit Partnern außerhalb von Flandern.

(Lesen Sie bitte unter den beiden Fotos der Maschine weiter)

Zusammenarbeit mit anderen Museen

Zunächst wurden Informationen mit anderen Museen ausgetauscht, die ebenfalls solche Monotypen in ihrer Sammlung haben. Das waren speziell das „Maison de l’Imprimerie“ in Thuin in der wallonischen Provinz Hennegau und die „Imprimerie Nationale“ im nordfranzösischen Douai. Zudem drehte das IM einen Film, in dem ein ehemaliger Drucker in seinem Ehrenamt erklärt, wie ein solcher Schriftsetzer überhaupt funktioniert. Damit soll auch entsprechendes Wissen an spätere Generationen weitergegeben werden. Nur noch wenige Experten und frühere Drucker wissen noch, wie man mechanische Schriftsetzer überhaupt noch bedienen kann.

Da kaum noch solche Monotypen existieren, arbeitet das IM in Gent eng mit anderen Druck- und Industriemuseen zusammen, denn es gilt zum einen die Suche nach Ersatzteilen und zum anderen gibt es kaum noch Vorsatzpapier, das zum Gebrauch dieser Maschinen notwendig ist. Übrigens, das IM sucht stets nach Fachleuten aus dem Druck- und Textilbereich, die dazu bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

(c) Rik Daze

"Schöne Anerkennung"

„Das ist eine schöne Anerkennung für unser Industriemuseum, dessen Freiwillige und Ehrenamtler mit Herz und Seele einem Publikum historische Maschinen vorführen und diese weiter betriebsfähig halten. Sogar heute noch ist das Industriemuseum auf der Suche nach Ersatzteilen, um die Genter Schriftsetzmaschine wieder betriebsfähig zu erhalten. Wer weiß, vielleicht taucht eines Tages noch eine solche Maschine auf, und die Sorge, keine Ersatzteile mehr finden zu können, liegt hinter uns“, sagte Gents Schöffe für Kultur, Sami Souguir (Open VLD) zu der Anerkennung von Seiten der flämischen Kulturbehörden für das IM.

Die Kommission dieser Behörde lobt unter anderem die Tatsache, dass es dem Museum gelingt, Besucher mit einer gewissen Leichtigkeit zu empfangen und auf sich aufmerksam zu machen. Jedes Jahr locken neue Projekte und kreative Angebote für das Publikum die Neugierigen in das IM. Mit Druckworkshops für Schulklassen und Events für Unternehmen sowie über kostenlos zu besuchende Veranstaltungen, wie z.B. einem „Druckereifestival“ und fachgerechten Masterklassen für grafische Aus- oder Weiterbildungen bleibt das Genter Industriemuseum im Gespräch und dies weit über die eigene Stadt hinaus.

Info und Adresse: Industriemuseum, Minnemeers 10, 9000 Gent, www.industriemuseum.be

Andreas Kockartz/VRT

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