Nur Madrid schneidet bei der Belastung durch NO₂ schlechter ab als Antwerpen

In einem Vergleich von rund tausend Städten in Europa schneidet Antwerpen am zweitschlechtesten bei den vorzeitigen Todesfällen durch Stickstoffdioxid (NO₂) ab. Das hat eine neue wissenschaftliche Studie ergeben. Brüssel liegt an achter Stelle. “Mittlerweile haben wir uns dank der emissionsarmen Umweltzone verbessert”, reagiert der Antwerpener Stadtrat Tom Meeuws (SP.A), gibt aber zu, dass noch mehr möglich ist.

Zum ersten Mal sind die vorzeitigen Todesfälle aufgrund von Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO₂) zwischen tausend europäischen Städten verglichen worden. Die Wissenschaftler haben sich auf Zahlen von 2015 basiert, um die erste Studie dieses Ausmaßes zu durchzuführen.  

Städte wie Antwerpen und Brüssel schneiden gerade in der Kategorie Gesundheitsbelastung durch Stickstoffdioxid sehr schlecht ab. Antwerpen muss nur Madrid vorgehen lassen. Brüssel liegt auf Platz 8. “Also sehr weit oben in einer Liste, in der man eigentlich nicht auftauchen will”, sagt Joeri Thijs, Experte für Luftqualität bei Greenpeace.  

Ebenfalls weit oben auf der Liste stehen Turin, Mailand, Paris, Barcelona und Mollet del Vallès (Spanien).

Die Studie wurde vom Barcelona Institute for Global Health in Zusammenarbeit mit dem Tropen- und Public Health-Institut aus Basel und der Universität Utrecht durchgeführt und in The Lancet Planetary Health veröffentlicht. 

Wie viele Todesfälle würden vermieden?

Der Bericht versucht auch, die Zahl der vorzeitigen Todesfälle konkret zu beziffern: In Antwerpen wären 7 Prozent der natürlichen Todesfälle pro Jahr auf NO₂-Verschmutzung zurückzuführen, in Brüssel 6 Prozent. “Die Forscher berechneten, wie viele Todesfälle eine Stadt jedes Jahr vermeiden könnte, wenn die Luft so sauber wie in Tromsø wäre (die norwegische Stadt ist eine der Städte mit den besten Werten). Sie kamen auf 307 für Antwerpen und 530 für Brüssel”, erklärt Thijs.  

Antwerpen hat zwar eine emissionsarme Zone (Low Emission Zone, LEZ) eingeführt und verbietet älteren Dieselfahrzeugen den Zugang. Andererseits basieren die verwendeten Zahlen (aus dem Jahr 2015) auf festen Messpunkten, die sich nicht immer an Orten mit dem größten Verkehrsaufkommen befinden. In Straßen mit starkem Verkehr und dichter Bebauung sind die tatsächlichen Werte oft höher. 

Obwohl Antwerpen und Brüssel derzeit die europäische Norm für die Stickstoffdioxid-Belastung einhalten (40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt), ist diese Norm eigentlich noch relativ weit gefasst, sagt Joeri Thijs: "Eine Revision auf 20 Mikrogramm wird kommen, darüber besteht in der wissenschaftlichen und medizinischen Welt Konsens. Aber eigentlich gibt es keinen niedrigeren Wert für die Luftverschmutzung. Schließlich gibt es keine sicheren Werte. Nur weil man eine bestimmte Norm erfüllt, heißt das nicht, dass die Luftverschmutzung keine Opfer mehr fordert", sagt Thijs.   

Was bedeuten die Ergebnisse für Antwerpen?

Der Antwerpener Stadtrat Tom Meeuws (SP.A) sagt, dass es der Stadt dank der Einführung der LEZ besser geht, gibt aber auch zu, dass Verbesserungen möglich sind. Seit 2019 erfüllt Antwerpen zum ersten Mal die europäischen Normen an allen festgelegten Messpunkten. Aber die Stadt hat auch wieder Messpunkte hinzugefügt. Sorgen bereiten allerdings  so genannte Straßenschluchten, in denen die Luft nicht so leicht entweichen kann."  

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