Belgiens Gesundheitsminister warnt vor neuen Corona-Varianten: "Das ist eine Epidemie in der Epidemie!"

Die Corona-Varianten aus Großbritannien und Südafrika sind inzwischen auch in Belgien angekommen und greifen um sich. Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A - Foto) macht sich darüber große Sorgen. „Es ist Gefahr in Sicht“, sagte der Minister am Sonntagvormittag in der VRT-Sendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“). Ein führender Biostatistiker geht davon aus, dass die britische Mutation auf Dauer die Coronakrise dominieren wird. Inzwischen müssen in Belgien immer mehr Schulen nach Corona-Ausbrüchen geschlossen werden. Vandenbroucke ist der Ansicht, dass man in dieser Coronakrise einmal mehr über die Rolle der Kinder nachdenken müsse. 

„Es ist Gefahr in Sicht. Auf der einen Seite sehen wir die Ziellinie dank der Impfungen, doch auf dem Weg dahin droht Gefahr und diese Gefahr liegt bei den Mutanten. Die Gegebenheiten sind alarmierend. Diese Mutationen rücken überall schnell vor in Belgien. Man bekommt eine Welle unter der Wasseroberfläche. Das ist eine Epidemie in der Epidemie. Wir sind nicht sicher, ob die Impfstoffe bei der südafrikanischen Variante helfen. Die Hersteller müssen da mehr Informationen zu liefern“, so Gesundheitsminister Vandenbroucke.

Bei Pfizer heißt es dazu, dass deren Impfstoff zumindest gegen die britische Varianten gewappnet ist. Vandenbroucke erinnert noch einmal daran, wie wichtig es ist, die geltenden Corona-Maßnahmen und -Vorschriften einzuhalten: „Wir müssen in unserem täglichen Leben weiter vorsichtig sein. Das bedeutet: Mundmasken tragen, Hände waschen, Kontakte meiden und sehr vorsichtig sein. Müssen wir verzweifeln? Nein, wir müssen testen, isolieren und impfen!“

Das Problem ist und bleibt die Widerstandsfähigkeit des belgischen Gesundheitssystems und die Angst davor, dass dieses zusammenbrechen kann, so der Minister: „Das Virus legt das System lahm. Wir sehen Krebserkrankungen, die weit fortgeschritten sind und Menschen, die herzinfarktgefährdet sind. Es sollten viel weniger Leute im Krankenhaus liegen, die das Virus haben. Das werden schwierige Wochen, wenn es auch gute Nachrichten gibt: 190.000 Menschen in unserem Land sind schon geimpft worden.“ 

Geert Molenberghs, Biostatistiker an den Universitäten von Hasselt und Löwen (UHasselt, KU Leuven), geht nach Berechnungen von Stichproben davon aus, dass inzwischen rund 25 % der Corona-Infizierungen in Belgien die britische ansteckendere Mutation betreffen. Er ist der Ansicht, dass diese Variante auf Dauer die dominierende Corona-Variante in Belgien werden könnte. 

Weitere Schulen durch Corona geschlossen: Rolle der Kinder überdenken?

Inzwischen müssen in Belgien weitere Schulen nach Corona-Ausbrüchen geschlossen werden. Das sorgt für Quarantäne von Kindern, deren Eltern und dem Unterrichtspersonal. Inzwischen sind alleine 47 von rund 4.000 flämischen Schulen betroffen. Davon tauchte in einigen Einrichtungen auch die britische Corona-Variante auf. Gesundheitsminister Vandenbroucke rät dazu, sich in dieser Phase einmal mehr mit der Rolle der Kinder zu befassen.

„Bei zunehmenden Ausbrüchen in Schulen und auch bei Kindern müssen wir wieder über die Rolle der Kinder nachdenken und darüber, wie wir sie schützen können“, so Vandenbroucke in „De zevende dag“. Das sei allerdings kein leichtes Unterfangen: „Um den Unterricht aufrecht zu erhalten, müssen wir im Rest der Gesellschaft einige unangenehme Dinge tun. Doch auch das schulische Leben kann an einem bestimmten Zeitpunkt auch eine Quelle der Ausbreitung sein. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir damit umgehen.“

Das Unterrichtswesen ist in Belgien Ländersache und dort muss entschieden werden, wie vorgegangen wird. 

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