Die Antwerpener Polizei löste wieder zwei Versammlungen in einer Synagoge auf

Im Laufe des Samstags hat die Polizei in Antwerpen wieder zwei Versammlungen in einer Synagoge auflösen müssen. Beide Zusammenkünfte fanden in der gleichen Synagoge statt, eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Jedes Mal waren viel mehr Personen dort anwesend als zugelassen, auch bei Gottesdiensten. Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA) ist der Ansicht, dass diese Art der Zusammenkünfte in diesen Corona-Zeiten nicht sein dürften.

Die betroffene Synagoge (Foto) befindet sich in der Van Spangenstraat in einem der beiden Antwerpener Stadtviertel, in denen die Zahl der Corona-Infizierungen besonders hoch liegt (siehe auch nebenstehenden Beitrag). Am Samstag wurden dort gleich zwei Zusammenkünfte mit zu vielen Menschen aufgelöst und im Dezember musste die Polizei auch mehrmals dort Treffen und Gottesdienste auflösen, weil dort massiv gegen die Corona-Vorschriften verstoßen wurde.

Zeugen melden zu viele Anwesende

Am Samstag wurde die Polizei dort auf den Plan gerufen, weil Zeugen meldeten, dass sich in dieser Synagoge zu viele Menschen aufhalten würden. Zuerst wurden die Beamten nicht in die Synagoge hineingelassen, doch später wurde ihnen Zugang gewährt. Die Anwesenden ließen sich danach problemlos identifizieren. Die Erwachsenen erhalten ein Bußgeld.

Verärgerter Bürgermeister

Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA) zeigte sich danach sehr verärgert: „Ein Teil der orthodoxen Gemeinschaft besteht darauf, am Sabbat ihre Liturgie zu begehen. Sie lesen im Gesetz, dass ihnen zugestanden wird, individuell zur Synagoge zu gehen.

Doch dort würden sich ein ums andere Mal zu viele Gläubige „individuell“ treffen: „So bekommt man Vorfall um Vorfall in bestimmten Synagogen, während die epidemiologischen Zustände gerade in diesen Vierteln dramatisch sind. In den vier jüdischen Vierteln liegt der Inzidenzwert schon einige Zeit lang über 1.000. Das ist viermal so hoch, wie der Durchschnitt. Da brennt es eigentlich.“

Brüssel muss wieder helfen…

Bürgermeister De Wever ruft in dieser Sache Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) auf den Plan und fordert von ihr, dass sie den orthodoxen Juden in Belgien deutlich macht, dass auch sie sich an die geltenden Gesetze halten müssen: „Diese Deutlichkeit muss kommen, doch lassen Sie mich deutlich sein: Dieses Verhalten darf es nicht geben. Das ist katastrophal.“ 

In Belgien ist die Zahl der Teilnehmer bei Messen und anderen liturgischen Feiern in Gotteshäusern auf 15 Personen über 12 Jahre beschränkt. Die Kirchen bleiben aber offen für individuelle Gebete oder persönliche Meditation. 

Das jüdische Forum reagiert

Inzwischen ruft das Forum der jüdischen Organisationen in Belgien die Gläubigen dringend dazu auf, sich in der Corona-Frage an alle Regeln und Gesetze zu halten. Die betroffene Synagoge lässt wissen, ihre Türe erst einmal für die Dauer von zwei Wochen zu schließen, um ähnliche Vorkommnisse zu behindern. Die Sorge ist groß, dass Bürgermeister De Wever die Synagoge behördlich schließen lässt. 

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